Druckschrift 
13 (1862) Vermischte Schriften : Th. 1
Entstehung
Seite
261
Einzelbild herunterladen
 

— 261 —

Charaktere, mit dem erstem Ausdrucke das Äußere,mit dem andern das Innerliche der Erscheinung be-zeichnend. Strucnscc, möge uns der Dichter denharten Tadel verzeihen, ist keine Gestalt. DasVerschwimmcndc, Vcrscnfzcnde, Übcrmcichc, was wiran ihm erblicken, soll vielleicht sein Charakter sein,wir wollen es sogar als einen Charakter geltenlassen, aber es raubt ihm alle äußere Gcstaltlichkcit.Dasselbe ist der Fall bei Graf Ranzau, der, mehredel als adlig, ebenso wie Strucnscc vor lauterSentimentalität, dem Erbgebrcchcn Becr'schcr Helden,auseinander fließt; nur wenn wir ihm ins Herzleuchten, sehen wir, dass er dennoch ein Charakterist, wenn auch schwach gezeichnet, doch immer einCharakter. Sein Hass gegen die Königin Juliane,womit er dennoch ein Bündnis gegen Strncnsee ab-schließt, und dergleichen Züge mehrere geben ihmInnerlichkeit, Individualität, kurz einen Charakter.Das Gesagte gilt einigermaßen auch vom PfarrerStrucnscc; Dieser, den Einer unserer Freunde, ge-wiss mit Unrecht, für ein Nachbild des Vaters imDelavignc'schen „Paria" halten wollte, gewann seineäußere Gestalt vielleicht weniger durch den Dichterselbst, als durch die Persönlichkeit des Darstellers.Die hohe Gestalt Eßlair's in einer solchen Rolle,nämlich als rcformirtcr Pfarrer, erschien uns wie