Druckschrift 
13 (1862) Vermischte Schriften : Th. 1
Entstehung
Seite
262
Einzelbild herunterladen
 

ein kolossaler altkatholischcr Dom, der zum prote-stantischen Gottesdienste eingerichtet worden; an denWänden sind die hübschen Bilder thcils abgebrochen,theils mit frischem Kalk überstrichen, die Pfeiler stehennackt und kalt, und die Worte, die so öde und nüch-tern von der ncugezimmertcn Kanzel erschallen, sinddennoch das Wort Gottes. So erschien uns Eßlairbesonders in der Sccnc, wo der Pfarrer Strncnseefast im liturgischen Tone seinen Sohn segnet.

Der Charakter der Königin Karolinc Mathildeist, wie sich von selbst versteht, holde Weiblichkeit,und wenn wir nicht irren, hat dem Dichter dasBild der unglücklichen Marie Antoinctte vorgeschwebt,wie denn auch die Bcdrängnisscenc, wo die rebellie-renden Truppen gegen das königliche Schloss mar-schieren, uns bedeutungsvoll den Tuilerienstnrm insGedächtnis rief. An Gestalt gewann die Königinebenfalls durch ihre Darstellerin, Dcmoiselle Hagen, dieam Anfang des zweiten Aktes, ans dem rothcn, gold-umränderten Sessel sitzend, ganz so freundlich aus-sah, wie auf dem Gemälde von Sticlcr, das wirjüngst im Ausstcllnngssaalc des hiesigen Kunstver-cins so sehr bewundert haben.

Wir besitzen nicht das Talent, schönen Damenetwas Bitteres zu sagen, es sei denn, dass wir sieliebten, und wir enthalten uns unseres Urthcils über