Druckschrift 
13 (1862) Vermischte Schriften : Th. 1
Entstehung
Seite
245
Einzelbild herunterladen
 

— 245 —

blicbencn hässlichcn Götzenbildern aus den Zeitender Roheit und Unwissenheit, noch immer ihre Men-schenopfer verlangen, und denen noch immer vieleschöne und gute Menschen hingeschlachtet werden.Die Idee der Menschengleichhcit durchwärmt unsereZeit, und die Dichter, die als Hohepriester diesergöttlichen Sonne huldigen, können sicher sein, dassTaufende mit ihnen niederknien, und Taufende mitihnen weinen und jauchzen.

Daher wird rauschender Beifall allen solchenWerken gezollt, worin jene Idee hervortritt. NachGocthe's „Wcrthcr" war Ludwig Robert der Erste,der jene Idee ans die Bühne brachte, und uns inder „Macht der Verhältnisse" ein wahrhaft bürger-liches Trauerspiel zum Besten gab, als er mit kun-diger Hand die prosaischen, kalten Umschläge vonder brennenden Herzwunde der modernen Menschheitplötzlich abriss. Mit gleichem Erfolge haben spätereAutoren dasselbe Thema, wir möchten fast sagen die-selbe Wunde, behandelt. Dieselbe Macht der Ver-hältnisse erschüttert uns in „Urika" und „Eduard",der „Herzogin von Duras", und in „Isidor undOlga" von Raupach. Frankreich und Deutschlandfanden sogar dasselbe Gewand für denselben Schmerz,und Dclavignc und Beer gaben uns Beide einen„Paria".