— 211 —
gödie gänzlich misslungcn ist. Doch dos ehrlicheGeständnis, womit der Verfasser in der Vorredezum „Tasso" über dieses Misslingen sich äußert, sowie auch der überraschende Eindruck, den letztereTragödie auf Denjenigen macht, der das Unglückgehabt hat, die frühere zu lesen, das Alles berech-tigt uns, viele Mängel des „Tasso" zu übersehen,das rüstige Fortschreiten des Verfassers zu bewun-dern, sein schon errungenes Talent anzuerkennenund ihm in einiger Ferne den Kranz zu zeigen,der ihm auf solchem Wege und bei solchem Stre-ben nimmermehr vorenthalten werden kann.
Die bescheidene Erklärung in der Vorrede zum„Tasso" macht es uns gleichsam zur Pflicht, jederVcrglcichung desselben mit dem Gocthc'schcn Dramadesselben Namens gehörig auszuweichen. Dochkönnen wir nicht umhin zu bemerken, dass dieBegebenheit, welche Letztcrm zur Katastrophe dient,auch von unserm Verfasser benutzt worden ist,nämlich: der in Liebcsvcrzückung taumelnde Tassoumarmt Lconorc von Este. Als historisch müssenwir diese Begebenheit leugnen. Tassv's Hauptbio-graphcn, sowohl Scrassi, als auch (wenn wirnicht irren,) Manso, verwerfen sie. Nur Mnra-tori erzählt uns ein solches Märchen. Wir zwei-feln sogar, ob je eine Liebe zwischen der zehn Jahr'
14 *