Druckschrift 
13 (1862) Vermischte Schriften : Th. 1
Entstehung
Seite
207
Einzelbild herunterladen
 

207

sein geistiges Auge das innere Getreide der äußernGegenstände und Begebenheiten besser durchschaut,und sein Geist die Gcsammtanschauung dieser Außen-welt in sich aufnimmt, so wird es auch ein neuesBestreben des Dichters sein, diese äußern Gegen-stände in ihrer objektiven Klarheit, ohne Beimi-schung von subjektiven Gefühlen und Ansichten,poetisch schön darzustellen. So entsteht die epischeund die dramatische Dichtung.

Gewisse Talente, wie man sieht, werden vonder einen dieser Dichtungsartcn eben so gut wievon der andern erfordert, nämlich: allgemeine Na-tnranschauung, Heraustreten ans der Subjektivität,treue, lebendige Schilderung von Begebenheiten,Situationen, Leidenschaften, Charakteren n. s. w.Doch machen wir die vielbcstätigtc Bemerkung:dass Dichter, die in der einen dieser Dichtungs-artcn Meister sind, oft in der andern nichts Erträg-liches zu Stande bringen können. Diese Beobach-tung führt uns zur Untersuchung, ob jenes Miss-lingcn nicht dadurch entsteht, weil etwa bei dereinen Dichtungsart die oben angedeuteten Talentein mindcrm Grade erforderlich sind, als bei derandern, und weil vielleicht das Wesen beider Dich-tungsarten so erstaunlich von einander verschie-den ist?