— 124 —
bckommm, da, wic ich höre, die Ccnsnr bei demBrockhans'schcn Verlag seit gestern wieder in Wirk-samkeit getreten ist. — Hier sind in diesem Augen-blick wenig gute belletristische Schriften erschienen.Fonquk hat einen neuen Roman herausgegeben,betitelt „Der Verfolgte." In der poctisicrcndcn Weltgeht es hier wic in der musikalischen. An Dichternfehlt es nicht, aber an guten Gedichten. NächstenHerbst haben wir doch einiges Gute zu erwarten.Köchy (kein Berliner), der uns vor Kurzem einesehr gehaltreiche Schrift über die Bühne gelieferthat, wird nächstens einen Band Gedichte heraus-geben, und aus den Proben, die mir davon zuGesicht gekommen, bin ich zu den größten Erwar-tungen berechtigt. Es lebt in denselben ein reinesGefühl, eine ungewöhnliche Zartheit, eine tiefe Innig-keit, die durch keine Bitterkeit getrübt wird, miteinem Worte: echte Poesie. An wahrhaft dramati-schen Talenten ist just jetzt kein Übcrfluss, und icherwarte Viel von v. Ucchtritz (kein Berliner), einemjungen Dichter, der mehrere Dramen geschrieben,die von Kennern erstaunlich gerühmt werden. Eswird nächstens eines derselben: „Der heilige Chrhso-stomns," in Druck erscheinen, und ich glaube, dasses Aufschn erregen wird. Ich habe Stellen darausgehört, die des größten Meisters würdig sind.