Z4 Auslegung der Bergpredigt Christi.
wolltest du dir deine Freude zerrütten und nehmen lösten, ja selbstUnruhe machen und dich solches trefflichen Segens berauben. Siehe,so hast du nun dreh Stücke, mit dreyen reichen Verheissungen, daß,wer ein Christ ist, der muß gnug haben, beyde, zeitlich und ewig,ob er gleich hier muß viel leiden, beyde, inwendig im Hcrtzen undauswendig. Wiederum, daß die Weltkinder, weil sie keine Armuth,noch Leid, noch Gewalt leiden wollen, weder das Himmelreich, nochzeitlich Gut mit Fried und Ruhe behalten und gemessen. Davonmagst du weiter lesen im Psalm 37, welcher ist die rechte Glosseüber diß Stück, und reichlich beschreibt, wie die Sanstmülhigen dasLand besitzen und die Gottlosen sollen ausgerottet werden.
b. Selig sind, die da hungert und durstet nach der Gerechtig-keit, denn sie sollen satt werden.
Gerechtigkeit muß an diesem Orte nicht heissen die ChristlicheHauplgerechtigkeit, dadurch die Person fromm und angenehm vorGott wird. Denn ich habe gesagt, daß diese acht Stücke nichtsanders sind, denn eine Lehre von den Früchten und guten Wcrckcneines Christen, vor welchen der Glaube zuvor muß da seyn, alsder Baum und Hauptsiück, oder Summa seiner Gerechtigkeit undSeligkeit, ohne alle Wercke und Verdienst, daraus solche Stückealle wachsen und folgen müssen. Darum verstehe bier die äußer-liche Gerechtigkeit vor der Welt, so wir unter uns gegen einanderhalten, daß diß kurtz und einfältig die Meynung sey von diesenWorten: Das ist ein rechtschassen seliger Mensch, der immer anhältund mit allen Kräften darnach strebt, daß es allcntbalben wohl zu-gehe, und jedermann recht thue, und solches mit Worten undWercken, mit Ralh und That hilft ballen und fördern.
Diß ist nun auch ein köstlich Stück, welches sehr viel guterWercke begreift, aber auch gar seltsam ist; als, daß wirs in Exem-pel fassen, wenn ein Prediger will in diesem Stück erfunden wer-den, der muß so geschickt seyn, daß er einxn jeglichen in seinemStande unterweise und helfe, daß er denselbige^i recht führe undthue, was dazu gehöret. Und wo er siehet, daß es mangelt undnicht recht gehet, daß er da sey, warne, strafe und bessere, wie undwomit er kann; also, daß ichs als ein Prediger nicht mangeln lassean meinem Amte, noch die andern an ihrem, daß sie meiner Lehreund Predigen folgen, und also auf beyden Seiten recht zugehe.Wo nun solche Leute sind, die sich drum annehmen und lassensihnen Ernst seyn, daß sie gerne wollten reckt thun, oder im rechtenWesen und Wercken erfunden werden, die hungert und dürstet nachder Gerechtigkeit. Und wenn es so ginge, so wäre keine Büberey