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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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ohne zu bedenken, wie schmerzhast die Brüder oft durch solcheFrechheit verwundet werden. Wenn wir nun auf den Ge-setzgeber blicken, dem nicht minder die Herrschast über un-sere Ohren und Herzen, als über unsere Zunge zusteht; sowerden wir auch leicht erkennen, daß es eben so sehr ver-boten sey, vcrläumderische Reden begierig anzuhören, undargen Urtheilen unser Herz zuzuwenden. Denn es wärewahrlich lacherlich, zu glauben, daß Gott zwar die Laster-zunge hasse, aber Bosheit des Herzens nicht verwerfe. Wennalso wahre Furcht und Liebe Gottes in uns ist, so müssenwirkeinen Schmäh - und Spottreden weder Mund noch Ohrleihen, noch scheelen Argwohn das Herz öffnen, sondern wiedie christliche Liebe es erfordert, die Reden und Handlungenanderer Menschen aufs Beste auslegen, und mit unsermUrtheil, Ohren und Zunge ihnen ihre Ehre treulich bewahren.

Das zehnte Gebot.

»daß dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses; laß dich nicht gelüstendeines Nächsten Weibes, noch seines Knechts, noch seiner Magd,noch seines Ochsen, noch seines Esels, noch alles, was dein Näch-ster hat.«

49. Der Zweck dieses Gebotes ist: da Gott Liebe vonganzem Herzen von uns fordert, so sollen wir jede Begierde,welche der Nächstenliebe entgegen ist, aus unserm Herzenverdrängen. Es verbietet also, auch nur den leisesten Ge-danken und die kleinste Lust, die nach dem Schaden desNächsten trachtet, in unser Herz kommen zu lassen. Darinist dies Gebot enthalten: was wir denken, beschließen, wol-len und ausstnnen, muß dem Wohlseyn Anderer förderlichseyn. Aber hier tritt eine, dem Anscheine nach, große undverwickelte Schwierigkeit ein. Denn wenn die obige Erklä-rung richtig ist, daß unterHurerei und Diebstahl"jedewollüstige Begierde und der Vorsatz, zu schaden und zu betrü-gen, verboten wird: so könnte es unnöthig scheinen, daß unsnochmals besonders eingeschärft wird, nicht fremdcsEigenthum