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liches Wesen auszeichnen würde, wenn wir geblieben wären,was wir waren. Jedoch dürfen wir hierbei nicht vergessen,daß von allem dem nichts unser Eigenthum sey, sondernalles ein Gnadengeschenk Gottes, ohne den wir nichts ver-mögen. Sodann müssen wir des elenden Zustandes geden-ken , in den wir durch den Sündenfall Adams gekommensind. Je mehr wir solches uns vergegenwärtigen, destomehrwird aller Stolz und jcdcö Selbstvertrauen verschwinden,und Schaam und Demuth sich unsrer bemächtigen. Denn sowie am Anfang Gott uns nach seinem Ebcnbilde schuf,um unsere Seelen zum Fleiß in guten Werken, und zumTrachten nach dem ewigen Leben zu erheben; so müssen undsollen wir, damit durch unsere Sorglosigkeit der große, überdie unvernünftigen Thiere uns erhebende Adel unseres Ge-schlechtes nicht verloren gehe, erkennen, daß wir von Gottdeßhalb mit Vernunft und Erkenntniß begabt sind, um durchein frommes und heiliges Leben das vorgehaltene Kleinodeiner seligen Unsterblichkeit zu erringen. Indessen könnenwir unmöglich jener ursprünglichen Würde gedenken, ohnedaß sich uns auch das traurige Bild unserer Befleckungund Entartung vor Augen stelle, indem die ancrschaffencUnschuld in der Person des ersten Menschen verloren ge-gangen ist. So entsteht Haß und Mißfallen an uns selbst,und wahre Demuth, womit zugleich ein neuer Eifer regewird, Gott zu suchen, in dem wir die Guter wieder ge-winnen können, die wir gänzlich verloren haben.
2. Dies fordert das wahrhaftige Wort Gottes als Zielbei unserer Selbstprüfung: denn es dringt ans eine solcheBekanntschaft mit unserm innersten Wesen, die uns vonverwegenem Vertrauen auf eigene Kraft und von stolzerAnmaßung ab und zur Demuth hinführe. An diese Vor-schrift haben wir uns also zu halten, wenn uns die wahreLebensweisheit nicht fehlen soll. Freilich findet die Mei-nung derer mehr Beifall, welche uns zur Betrachtung un-serer Vorzüge lieber auffordern, als zu dem beschämendenBlick ans den elenden und Hülflosen Zustand unserer Sünd-