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Lied ist ein klarer Spiegel, in welchem Gott deutlich er-scheinet.
8. In den übrigen Propheten wird dieses noch viel deut-licher ersehen. Ich will nur wenig Beispiele auswählen, daes zu mühsam seyn würde, sie alle anzuführen! Als zu Jcsa-ias Zeiten das Reich Juda in Frieden lebte, ja an den Chal-däcrn eine Stiche zn haben glaubte, predigte Jcsaias von derZerstörung der Stadt und Verbannung des Volks. Wolltenwir auch die Vorhersagnng dessen, was damals fabelhaftschien, bald aber als wahr sich erwies, nicht als Beweisgöttlicher Eingebung gelten lassen, werden wir denn nichtdie Weissagungen von der Rückkehr des Volks als ansGott anerkennen? Er nennt den Cyrus, der die Chaldäerbezwingen und das Volk in Freiheit setzen sollte. Mehr als100 Jahre verschwanden nach der Weissagung des Propheten,bevor Cyrus geboren wurde. Denn dieser wurde erst unge-fähr hundert Jahre nach seinem Tode geboren. Niemandkonnte damals ahnen, daß ein Cyrus seyn und mit den Ba-bylonicrn Krieg fuhren, und nach Ueberwältigung einer somächtigen Monarchie das Eril des Israelitischen Volks endi-gen würde. Diese nackte, schmucklose Darstellung erweiset sienicht, daß die Aussprache des Jcsaias angezweifelte Weissa-gungen Gottes, nicht menschliche Mnthmassungcn waren?Wenn ferner Jeremias einige Zeit vor der Wegfnhrnngdes Volkes die Dauer der Gefangenschaft auf 70 Jahre be-stimmte und dessen Rückkehr und Freiheit verkündigte, mußtenicht der Geist Gottes feine Zunge leiten? Welche Unver-schämtheit, bei solchen Beweisen das geheiligte Ansehen derPropheten bestreiken zu wollen! »Siehc, das Zuvorver-kündigte ist gekommen; ich verkündige Neues; ehees aufgeht, lasse ichs euch hören.« Ich übergehe,wie Jeremias und Ezechiel, obwohl weit getrennt, je-doch zu gleicher Zeit weissagend, in allen ihren Reden so über-einstimmen, als ob sie sich einander diktirt hätten. Und hat
1) Zes. M S.