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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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stoß aus menschlicher Einbildung eine ungeheure Menge vollGöttern, indem ein jeder in seiner Ausschweifung bald diesesbald jenes Gotte beilegte. Es bedarf nicht der Aufzählungdieser Thorheiten, womit die Welt überschwemmt wurde: eswürde dessen kein Ende seyn; auch erhellet hinlänglich aus die-sen Verderbnissen die schändliche Verblendung des menschlichenGeistes. Den nngelehrten, rohen Pöbel übergehe ich. Aberwelche schmähliche Verschiedenheit ist selbst unter den Philoso-phen , die sich vermeßen mit ihrer Weisheit bis in den Him-mel zu dringen? Je mehr Geist, Wissenschaft und Kunstmanche von ihnen besaßen, um so mehr wußten sie ihre Mei-nungen mit schönen Farben auszuschmücken; aber je näherman sie beschaut, um so mehr erweisen sie sich als unhaltbareSchminke. Die Stoiker glaubten sehr scharfsinnig zu sagen,es könnten aus allen Theilen der Natur verschiedene NamenGottes entnommen werden, und doch würde der eine Gottdadurch nicht zerstückelt. Als ob wir nicht ohnehin schon ge-nug zum Wahn geneigt wären, und es noch einer Menge vonGöttern bedürfte, uns tiefer in Irrthum zu verflechten. Auchdie mystische Theologie der Acgypter zeigt, mit welchem FleißAlle dieses betrieben haben, damit sie nicht ohne Grund zurasen schienen. Und beim ersten Anblick könnte vielleicht man-ches die Einfältigen und Gedankenlosen als wahrscheinlich täu-schen. Aber kein Sterblicher hat je etwas ausgcdacht, wo-durch die Religion nicht auf schmählige Weise entstellt wordenwäre. Und diese abweichende Verwirrung gab den Epikurä-ern und andern groben Religionsverächtcrn die Frechheit, je-des Gefühl eines Gottes von sich zu werftn. Denn da sie dieGeschicktesten über verschiedene Meinungen streiten sahen, soentblödeten sie sich nicht, aus deren Zwistigkeiten, oder auchaus der leichtsinnigen und abgeschmackten Lehre eines jeden,den Schluß zu ziehen, daß der Mensch sich umsonst und thö-rigter Weise selbst Qual bereite, indem er einen Gott ausspü-re, der gar nicht sey. Auch glauben sie, solches ungestraftthun zu dürfen, weil es besser sey, kurzweg Gott zu laugnen,als ungewisse Götter zu schaffen nnd endlose Zänkereien darü-