und mehr in unbesonnener aufwallender Hitze, als mit ge-setzmäßigem Ernste verhandelt und ans jegliche Weise ver-zerrt wurde. Glaube nicht, mein König, als ob ich eineVertheidigung meiner Person im Auge hätte, eben um mireine glückliche Heimkehr in mein Vaterland zu bewirken;denn obwohl mit menschlicher Zuneigung ihm zugethan, wiesteh geziemet, mag ich dessen doch jetzt/wie die Sachen ste-hen, ohne Mühe cntrathcn. Nein, die gemeinsame Sachealler Frommen, ja Christi selbst vertrete ich, sie, die jetztin Deinem Königreiche auf alle Weise geschmähet und zer-treten in tiefem Jammer liegt, und zwar vielmehr durchdie Tyrannei einiger Pharisäer als nach Deinem Wissenund Wollen. Aber warum solches geschehen, will ich hiernicht entwickeln; genug sie lieget im Jammer. Denn so weithaben es die Gottlosen gebracht, daß Christi Wahrheit, wennauch nicht als verjagt und zerstreut zu Grunde gegangen,doch wie verachtet und begraben sich verbergen muß, diearme Kirche aber durch grausame Hinrichtungen verzehrt,oder durch Verbannungen zerstreut oder durch Drohungenund Schrecken also verschüchtert wurde, daß sie nicht zuathmen wagt. Und noch immer fort toben sie mit ihrer gewohn-ten Wuth und Wildheit, und drängen hart ein auf die schonwankende Mauer und in die Lücke, die sie gemacht haben.Und kein einziger tritt hervor, solchem Ingrimm seinenSchutz entgegenzusetzen. Wollen etwa Einige sich den Scheingeben, daß sie der Wahrheit gewogen seyen, so ist es dasHöchste, daß sie dafür halten, man müsse mit dem Irrthumund den Thorheiten unwissender Menschen Nachsicht haben.Also reden die Gemäßigten, Irrthum und Thorheit nennend,was sie als die gewisseste Wahrheit Gottes kennen, und diejeni-gen Unwissende, deren Seelen, wie sie vor Augen sehen, Chri-stus nicht verschmähete, um sie der Geheimnisse seiner himm-lischen Weisheit zu würdigen. So schämen sich Alle desEvangeliums. Dir aber. Durchlauchtigster König, geziemt,solchem gerechten Schutz nicht Dein Herz und Olw zu ver-schließen; vorallem wo es um eine so wichtige Angelegen-heit sich handelt: nämlich, wie die Ehre Gottes auf Erdenunangetastet bleiben, wie Gottes Wahrheit ihre Würde be-halten , wie das Reich Christi unversehrt unter uns wohnenmöge. Wohl ist solches Deiner Beachtung, Deiner Er-kenntniß und Deines Richterthrones würdig. Denn sichin Verwaltung seines Reiches als Diener Gottes erkennen,das macht den wahren König» Und wer nicht zu dem Zweckeregiert, um der Ehre Gottes zu dienen, der übet nichtHerrschaft, sondern ein Naubwcrk. Auch betrügt derjenigesich selbst, der dauerndes Heil in einem Reich erwartet,welches nicht von Gottes Zepter, das heißt von seinem hei-
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Johannes Calvin, des großen Theologen Institutionen der christlichen Religion : erstes und zweites Buch
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