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2 (1898) Zeitgedichte [u.a.] Neue Gedichte
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71
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Neue Gedichte.

Daß vollendet schon die Training —Halt bereit dein gutes Richtbeil."

Glvckcnklaug und Orgelrauschen,Und das Volk strömt ans der Kirche;Runter Festzug, in der MitteDie geschmückten Neuvermählten.

Leichenblaß und bang und traurigSchaut die schöne Königstochter;

Keck und heiter schaut Herr Olaf,Und sein roter Mund, der lächelt.

Und mit lächelnd rotem MundeSpricht er zu dem flüstern König:„Guten Morgen, Schwiegervater,

Heut ist dir mein Haupt verfallen.

„Sterben soll ich hellt — O, laß michNur bis Mitternacht noch leben,

Daß ich meine Hochzeit feireMit Bankett rmd Fackeltänzen.

„Laß mich lebeil, laß mich leben,Bis geleert der letzte Becher,

Bis der letzte Tanz getanzt ist —Laß bis Mitternacht mich leben!"

Und zum Henker spricht der König:„Unserm Eidam sei gefristetBis Uln Mitternacht sein Leben —

Halt bereit dein gutes Richtbeil."

II.

Herr Olaf sitzt beim Hochzeitschmaus,Er trinkt den letzten Becher aus.

Au seine Schulter lehntSeill Weib und stöhnt —

Der Henker steht vor der Thiire.

Der Reigen beginnt und Herr Olaf erfaßtSein junges Weiß, mit wilder HastSic tanzen bei FackelglanzDen letzten Tanz —

Der Henker steht vor der Thiire.

Die Geigen geben so lustigen Klang,Die Flöten seufzen so traurig und bang!