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1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
48
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48 Buch der Lieder.

S.

In stiller, wchmntweicher AbendstundeUmklingen nnch die längst verschollnen Lieder,Und Thränen fließen von der Wange nieder,

Und Blut cntgnillt der alten Herzenswunde.

Und wie in eines Zanbcrspiegcls GrundeSeh' ich das Bildnis meiner Liebste» wieder;

Sie sitzt am Arbeitstisch, im roten Mieder,

Und Stille herrscht in ihrer sel'gen Runde.

Da Plötzlich springt sie ans vom Stuhl und schneidetVon ihrem Haupt die schönste aller Locken,

Und giebt sie mir, vor Freud' bin ich erschrocken.

Mephisto hat die Freude mir verleidet,

Er spann ein festes Seil von jenen Haaren,Und schleift mich dran herum seit vielen Jahren.

S.

Als ich vor einem Jahr dich wiederblickte,

Küßtest du mich nicht in der Willkommstnnd'."So sprach ich, und der Liebsten roter MundDen schönsten Kuß auf meine Lippen drückte.

Und lächelnd süß ein Myrtenrcis sie pflückteVom Myrtenstrauche, der am Fenster stund:

Nimm hin und pflanz dies Reis in frischen Grund,Und stell' ein Glas darauf," sprach sie und nickte.Schon lang ist's her. Es starb das Reis im Topf.Sie selbst Hab' ich seit Jahren nicht geschn;

Doch brennt der Kuß mir immer noch im Kopf.

Und aus der Ferne trieb's mich jüngst zum Ort,Wo Liebchen wohnt. Vorm Hause blieb ich stehnDie ganze Nacht, ging erst am Morgen fort.

7.

Hüt dich, mein Freund, vor grimmen Tenfelsfratzen,Doch schlimmer sind die sanften Engelsfrätzchen.Ein solches bot mir einst ein süßes Schmätzchen,

Doch wie ich kam, da fühlt' ich scharfe Tatzen.

Hüt dich, mein Freund, vor schwarzen alten Katzen,Doch schlimmer sind die weißen jungen Kätzchen;Ein solches macht' ich einst zu meinem Schätzchen,

Doch thttt mein Schätzchen mir das Herz zerkratzen.