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1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
17
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Junge Leiden.

Die Herzlcin schwimmen im Freudensee,

Dort oben in Gottes heil'ger Höh;

Doch auf den Häuptern, wie Grausen und Brand,Da hat die Holle gelegt die Hand.

Das ist der finstre Sohn der Nacht,

Der hier den segnenden Priester macht;Er murmelt die Formel aus blutigem Buch,

Sein Beten ist Lästern, sein Segen ist Fluch.

lind es krächzet und zischet und heulet toll,Wie Wogengcbrause, wie Dvnnergervll;

Da blitzet auf einmal ein bläuliches Licht, —„In Ewigkeit, Amen!" das Mütterchen spricht.

8.

Ich kam von meiner Herrin Haus,

Und wandelt' in Wahnsinn und Mitternachtgraus.Und wie ich am Kirchhof vorübergehn will,Da winken die Gräber ernst und still.

Da winkt's von des Spielmanns Leichcnstein.Das war der flimmernde Mondesschein.Da lispelt's! „Lieb Bruder, ich komme gleich!"Da steigt's auS dem Grabe ncbelbleich.

Der Spielmann war's, der entstiegen jetzt,Und hoch auf den Leichenstein sich setzt.

Und die Saiten der Zither greift er schnell,Und singt dabei recht hohl und grell:

„Ei! kennt ihr noch das alte Lied,

Das einst so wild die Brust durchglüht,Ihr Saiten dumpf und trübe?

Die Engel, die nennen es Himmelsfrend',Die Teufel, die nennen es Hvllcnleid,Die Menschen, die nennen es — Liebe!"

Kanin tönte des letzten Wortes Schall,

Da thatcn sich auf die Gräber all;

Viel Luflgestalten dringen hervor,

Umschweben den Spielmann und schrillen im Chor

„Liebe! Liebe! deine MachtHat uns hier zu Bett gebrachtUnd die Augen zugemacht, —

Ei, was rufst du in der Nacht?"

cinc's Werke. I. Vd. 2