Biographie. 133
war es durchaus um die Sache zu thnn; aber seiue Bemühungenhatten keinen Erfolg, denn Karl Gutzkow sprang von Anfang anallzu ungestüm aus der Linie heraus, um auf der Arena, ein wag-halsiger Campcadvr, blutige Eiuzelgefcchtc zu liefern. In der Vor-rede zu den von ihm neu herausgegebenen „Briefen Schlcicrmachcrsüber die Lneinde" kämpfte er mit einer Entschiedenheit für die freieLiebe und ein Leben ohne Gott, die alles in den Schatten stellte,was das „junge Deutschland" bisher gewagt hatte. Noch viel stür-mischer zog er gegen die Sitte der Gesellschaft in seinem berühmtenRomain „Wally, die Zwciflerin", zu Felde, der den Hauptstnrmgegen das „junge Deutschland" heraufbeschwor. Der Roman selbstlehnt sich an die kurz vorher erschienene Novelle von George Sand„Lelia" an und war wohl hervorgerufen durch den tragischen Todvon Charlotte Stieglitz, deren heroischer, aber wnhnbethörter Rettnngs-akt für das Wohl eines andern damals die Gemüter ans das tiefsteerregte. Auch Wally gab sich selbst den Tod, weil sie an derMenschheit verzweifelte.
Ein so starker Überschuß an Stimmung hätte, wie Gutzkowspäter selbst eingestand, von der Kritik im Vollgefühl ihrer kühlerenVernunft höchstens ausgelacht werden sollen. Statt dessen regte Wolf-gang Menzel, den schon die Ankündigung der „Deutschen Revue"sehr erzürnt hatte, einen großen Sturm durch eine Kritik dieser„Wally" an, die am kl. September 1835 in seinem „Litteraturblatt"erschien und nngemcssencs Aufsehen hervorbrachte. Hätte Menzelseinen Kampf gegen Gutzkow nicht ans Feindschaft begonnen, indemer sein „Litteraturblatt" durch die „Deutsche Revue" für gefährdethielt, so hätte er viele andere Dichter und Schriftsteller, die er bisherverehrt und gelobt, mit in das Bereich seiner Anklage ziehen müssen,durch die er die »ssnns ^.IIsmnAns" als eine „Schule der frechstenUnsittlichkeit und raffiniertesten Lüge" den Regierungen preisgab undmit allen möglichen Anklagen überhäufte.
Die Anklage Menzels wirkte, während die Verteidigung Gutz-kows und seiner Genossen nngchört verhallte. Der Roman „Wally",der sich der endlich errungenen Freiheit bedient hatte, durch welcheBücher über zwanzig Bogen der Verpflichtung, sich ccnsieren zu lassen,überhoben waren, wurde in Mannheim, dem Orte, wo dasselbe er-schienen war, mit Beschlag belegt und hierauf überall konfisziert.Überdies wurde Gutzkow und seinem Verleger der Prozeß gemachtund zwar, wie der badische Minister, Winter, Gutzkow selbst mitteilte,nur infolge der Mcnzelschcn Kritik über das „junge Deutschland".Der Prozeß endete mit der Verurteilung Gutzkows zu zehnwöchentlicher Gefängnisstrafe.
Damit aber war der Zorn Menzels nicht bcschtvichtigt. Er setzteseine scharfen Angriffe so lange fort, bis endlich auch der deutsche