132 Biographie.
seinem flüchtigen Haschen nach Idealen, in seiner unruhigen Beweglichkeit, in seiner merkwürdigen Produktivität, in seinem Kampszwischen schwungvollem Pathos und zersetzendem Verstand, zwischenTheologie und Atheismus, zwischen Kritik und Produktion.
Gutzkow hatte sich auch am schnellsten von dem Einflüsse Heinesbefreit. Nur in den „Briefen eines Narren an eine Närrin" ahmteer Heines Manier nach; schon die folgenden Veröffentlichungen zeigenein durchaus selbständiges Auftreten, eine scharfe kritische Ader undein seltenes Verständnis für die Bedürfnisse der Zeit. Dies erkannteauch vor allem Wvlfgang Menzel, welcher Gutzkow für seinLitternturblntt zu gewinnen suchte.
Wvlfgang Menzel war damals der kritische Diktator über Deutsch-lands schöne Littcratnr und er hatte den jungen Schriftsteller, derals Kritiker, ja noch mehr als Antikritiken angefangen hatte, vonBerlin nach Stuttgart berufen, um ihn an seinem. „Litteratnrblatt"zu beschäftigein Aber schon im Winter des Jahres 1833 löste Gutzkowseine Beziehungen zu Menzel. Später plante Gutzkow mit LudolfWienbarg die Herausgabe einer Wochenschrift in großem Stil unterdem Titel „Deutsche Revue".
Der Mitherausgeber dieser „Deutschen Revue", die, nebenbeibemerkt, nicht zustande kam, Ludolf Wienbarg, war einer deroriginellsten Charakterköpfe des „jungen Deutschland". Er war derÄsthetiker der neuen Schule, der einzige, der sein System ans wissen-schaftliche Grundlagen errichtete. Er schwärmte für ein „neueseuropäisches Griechentum", das auf der harmonischen Vereinigungvon Verstand und Sinnlichkeit beruhen sollte, und in dem „dasSinnliche durchgeistigter wie bei den Griechen, das Geistige dnrchsinn-lichter wie bei den Christen", zur Erscheinung kommen sollte. Er gabein vollständiges Programm der neuen Poesie und zeichnete ihr inkühnem Gedankcnschwnng ihre Bahnen vor.
Die Verwandtschaft mit der Romantik, welche das „junge Deutsch-land" nicht verleugnen konnte, zeigte sich am deutlichsten in TheodorMündt. Er war der vornehmste Repräsentant der „Misch-Litterntnr",der belletristischen Wissenschaft und der „wissenschaftlich angeflogenenBelletristik", die in jener ilbcrgangSepvchc ihr Unwesen trieb. Erstellte sich kein geringeres Ziel, als die bisherige Trennung von Prosaund Poesie aufzuheben; daneben versuchte er, über den Beruf desfreien Weibes mit der Dialektik Hegels zu orakeln. Eine weittragendelittcrarische Bedeutung hatte auch er ebensowenig wie der Vater des„jungen Deutschlands", als welcher Gustav Kühne genannt wird.Kühne hatte sich selbst den littcrarischcn Gefährten angereiht undnahm ihnen gegenüber gewissermaßen die Rolle eines Korrektors an.Er mutete sich zu, „deren Einzclnnsfälle behüten, ihr Hervorspringenans Reih und Glied verhindern zu können". Vielleicht ihm allein