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Biographie.
Bliche sagte: Es sei nicht eitel Lust seines Herzens gewesen, daß eralles verließ, was ihm Teures im Vaterland blühte und lächelte,daß er ging, weil er mußte und daß er das Prvphetenamt mitÜberzeugung übernommen; ja mochte man ihm sogar glauben, daßer nun dieses Prophetcnamtes müde, für sich selber leben und „schöneGedichte schreiben, Komödien und Novellen, zärtliche und heitereGedankcnspicle" und sich wieder ruhig znrückschleichen wolle in dasLand der Poesie, wo er als Knabe so glücklich gelebt — das Einekonnte ihm niemand glauben, daß dieses Wort und jenes Lied, daser nun anstimmte, „aus einer großen gvttfreudigcn Friihlingsideeemporblühte, die, wo nicht besser, doch wenigstens ebenso respektabelist, wie jene triste, modrige AschermittwvchSidee, die unser schönesEuropa trübselig entblumt und mit Gespenstern und Tartiiffcn be-völkerte". Nein, diese höhnisch frivolen Lieder entsprangen keinemfriihlingsfreudigcn Dichterhcrzen, über ihnen brütet vielmehr derschwüle Nachsommer dumpfer Sinnlichkeit! lind als ob Heine esgeahnt hätte, daß man dem Evangelium dieser gottfreudigen Friih-lingsidee keincwrechtcn Glauben schenken werde, gesteht er selbst gleichdarauf, gewissermaßen wie zur Entschuldigung für sein Beginnen,mit Offenherzigkeit ein: „Wogegen ich einst mit leichten Waffenfrondierte, wird jetzt ein offener, ernster Krieg geführt — ich stehesogar nicht mehr in den ersten Reihen."
Gerade aber weil er nicht in den ersten Reihen stand, suchteer auf eine andere Weise zu Geltung und Bedeutung zu kommen,und sich fern von der Heimat eine schriftstellerische Position zu er-ringen. Wehmütig klingt immerhin das Geständnis, daß der Dichterseines Sprecheramts müde geworden sei, wehmütiger aber mußte esjeden Freund seiner Muse stimmen, wenn er den Dichter Abschiednehmen sah, von allen seinen Idealen und Hoffnungen und Träumenund wenn er beobachten mußte, wie Heine einen neuen und abschiissigen Pfad einschlug. Aber bei Heine lagen die Extreme stetsunmittelbar nebeneinander. In demselben Moment, in dem erDeutschland aufgeben wollte, erwachte die Liebe zum Baterland miterneuter Kraft in seinem Herzen. „Es ist eine eigene Sache," sagteer damals, „mit dem Patriotismus, mit der wirklichen Vaterlandsliebe. Man kann sein Vaterland lieben und achtzig Jahre dabei altwerden und es nie gewußt haben; aber man muß dann auch zuHause geblieben sein."
Ein politisches Martyrium war freilich Heines Sache nicht;dazu fehlte ihm vor allem die Festigkeit und Energie dcS Charaktersund daran hinderte ihn vor allem seine überwiegend skeptische Natur.Er tonnte nicht in Reih und Glied stehen, weil er beständig zwischenExtremen hin und her schwankte und weil ihm damals schon derGlaube fehlte, der Glaube an ein religiöses oder politisches Dogma,