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1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
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119
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Biographie. 119

a» die Menschheit und zumeist auch an sich selbst,Genialitätund Tugend", sagte er einmal nun sich mit richtiger Selbsterkenntnis,leben in beständigem Hader und kehren sich manchmal verdrießlichden Rucken."

Bei einer solchen Lebensanschanung konnten ihm jene starrenRepublikaner, deren einziges Verdienst ihre Tugend war und die sichwohl auch mit derselben brüsteten, nur wenig imponieren. Es isterklärlich, daß er deshalb die Kreise der deutschen Emigranten, dieer in der ersten Zeit seines Pariser Aufenthalts hier und da besuchte,fortan mied abgesehen davon, daß aus diesen Kreisen zu häufigAnspräche an seine Kasse gestellt wurden, die er nicht mehr erfüllenmochte und ebenso erklärlich, daß diese in Gesprächen, Briefenund Aufsätzen ans Paris den Dichter nicht eben freundlich behandeltenund seine liberalen Gesinnungen in Frage stellten.

So von allen Seiten verkannt und zurückgewiesen, angefeindetund verdächtigt, hatte Heine keinen andern Ausweg, als den, sich inFrankreich ein Publikum und eine Stellung zu erwerben. Dasreiche politische und litterarische Leben, das sich damals in Parisentwickelte, übte zudem einen großen Reiz auf den Dichter ans undfesselte ihn mächtig. Es ist merkwürdig, daß bei Heine schon damalsdas politische Interesse hinter dem socialen zurücktrat und daß diesesletztere ihn unaufhörlich beschäftigte. Sein Scharfblick sah und erkanntedas drohende Gespenst ja schon lange bevor es ans die Wcltbühnetrat, und seiner Phantasie wie seinem Herzen eröffneten alle Versuchezur Lösung der großen Snppenfrage der Menschheit eine weite undglänzende Perspektive. Was Wunder, daß Heine sich deshalb mitallem Eifer und glühender Begeisterung vor allem einer Bewegunganschloß, die sich kein geringeres Ziel steckte, als das Weltelend auf-zuheben dein St. Simonismus!

Claude Henri de St. Simon war der Begründer dieser neuenSekte; er kam ans der Schule des Philosophen d'Alcmbert und ver-einigte mit den philosophischen Doktrinen des achtzehnten Jahrhundertsdie socialen Reformen des neunzehnten Jahrhunderts. Er hielt dieAufgabe für lösbar, daS Entwicklungsgesetz der Menschheit nachbestimmten Normen festzustellen und auf Grund dieser eine Reformder europäischen Gesellschaft anzubahnen. Wenn das Christentum esals seine Hauptaufgabe betrachtete, den einzelnen moralisch zu retten,wenn das achtzehnte Jahrhundert und die große Revolution ihr Zieldarin suchten, das Individuum politisch zu befreien, so ging dasStreben des Grafen St. Simon dahin, eine nene Lehre zu begründen,die die Gesamtheit auS den Fesseln des alten Glaubens und ausden Banden einer verrotteten Weltanschauung vollständig befreienund durch nene Lebensformen verjüngen sollte. In den ,1-öttrssei'nn lmbitnnk eis Ksusvs ä sss oontsmpornins" (Genf 1893) trat