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1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
111
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Biographie. III

dort eine gesellschaftliche Atmosphäre, die völlig frei war von allenVorurteilen, unter denen er in Deutschland als Jude, als Schrift-steller, als Liberaler zu leiden hatte. Daß daneben Paris schon da-mals in Bezug auf Theater, Bälle, Feste uud öffcutliche Vergnügungenmehr zu biete» hatte, als Berlin, München und Haneburg, ist selbst-verständlich, und mit vollem Behagen schlürfte Heine den Becher derLust, den ihm Seraphinc, A ngeliguc, Diana, Hortcnse, Einrisse, Jolante,Marie, Jenny, Emma und andere so willig nnd graziös reichten.

Trotz aller dieser Liebeständcleien und Scherze beherrschte ihnaber doch der Ernst des Lebens völlig, und er ließ seine Aufgabenicht aus dem Auge, die Eindrücke der Weltstadt in Bezug ansLittcratur, Kunst nnd öffentliches Leben zu fixieren und zur Dar-stellung zu bringen. Pochte dann einmal das Heimweh an die Thoreseines Herzens, so suchte er es im Verkehr mit den in Paris lebende»Deutschen zu stillen. In der Buchhandlung von Hcidelvff nnd Campebegegnete er sich mit Felix Mendelssohn-Bartholdy, Alexander vonHumboldt, Michael Beer, M. G. Saphir, Kvreff, Mnltiz, Donndvrfund ander», lind dort wurden alle Neuigkeiten aus der Heimaterzählt; alle durchreisenden Deutschen sprachen dort ein und lerntenihre berühmten Landsleute kennen.

Als Heine am Ende des ersten in Paris verlebten Jahres seinemFreunde Ferdinand Hitler, dessen musikalische Soireen er mit be-sonderer Vorliebe besuchte, und dem er stets innig zngethan war,einen Empfehlungsbrief nach Deutschland mitgab, schrieb er in den-selben hinein:Fragt Sie jemand, wie ich mich hier befinde, sosagen Sie: Wie ein Fisch im Wasser, oder vielmehr, sagen Sie denLeuten, daß, wenn im Meer ein Fisch den andern nach seinem Befindenfragt, so antwortet dieser: Ich befinde mich wie Heine in Paris."

linier den Deutschen, die damals die französische Hauptstadtbesuchten, befand sich auch Heines ehemaliger Lehrer, August Wilhelmvon Schlegel. Derselbe hatte sich über die Thätigkeit seines einstbevorzugten Schülers wiederholt in sehr geringschätzender Weise aus-gesprochen nnd in dem Epigramm:

Deinen Ernst kann ich nicht loben,

Schimpf gelingt dem Spötter nur,

Deine Begcistrnng ist verschroben,

Deine Tücken sind Natur"

Heine scharf angegriffen. Dieser rächte sich durch eine boshafte Notizin einer seiner Korrespondenzen für dieAngsbnrger AllgemeineZeitung", in der er sich über die Ordenssucht des bekannten llber-sctzcrs und Kunstkritikers lustig machte.

Den Sommer dieses Jahres verbrachte Heine in dem fran-zösischen Badeorte Loulog-ns snr rnor, und nach seiner Rückkehr,