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1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
103
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Biographie.

Von Lucca und Genua aus schrieb Heine an seine Mutter undseine Ge schwister die reizendsten und heitersten Briefe; in einem der-selben teilte er ihnen jenes bekannte Intermezzo mit. das er späterzu einer ergötzlichen HumoreskeDer Thee" in Theodor von KobbesNovellenalmanachDie Wesernymphe" verarbeitet hat.

Im Bade zu Lucca schrieb Heine also den größten Teil seinersentimentalen Reise" nieder. Er beabsichtigte, das neue Werk dembayrischen StaatSminister, Eduard von Schenk, zu widmen;dieSeele ist mir so voll, so überfließend, daß ich mir nicht anders zuhelfen weiß, als indem ich einige enthusiastische Bücher schreibe",meldete Heine aus Flurenz am 1. Oktober desselben Jahres. Nebenbeihegte er aber noch immer die Hoffnung, die Professur an derMünchener Universität zu erlangen. Und als längere Zeit keinBrief von Schenk kam, wendete er sich gleichfalls von Florenz ausan den befreundeten russischen Dichter Feodor I. Tjutschew, der alsAttachö der russischen Gesandtschaft in München lebte, mit derBitte, den Stand seiner Angelegenheit ans diplomatischem Wege aus-zukundschaften.

Trotz aller dieser Bemühungen erhielt Heine die Stelle nicht.Ob dies aus Sparsamkeitsrücksichten geschah, oder ob die damalsmächtige Pfaffenpartei und die einflußreichen Freunde des GrafenPlaten es verhinderten, genug, König Ludwig unterzeichnete das ihmvorgelegte Ernennungsdekret nicht. Heine schrieb natürlich alle Schulddem Minister von Schenk zu, der ihn demJesuiten sakrifizicrthabe", und widmete nun sein Buch Karl Jmmermami, dem mit-strebcndcn Freunde, dessen Temen im ersten Teil der Reisebilder inallen littcrarischcn Kreisen großes Aufsehen erregt hatten.

Diese Temen hatten aber auch vor allem den Zorn des GrafenPlaten hervorgerufen. Sofort, nachdem er dieselben gelesen, schrieber an seinen Freund, den Grafen Fugger, aus Italien:Was denJuden Heine betrifft, so wünsche ich wohl, daß meine MiinchenerFreunde (denn er ist in München) ihn gelegentlich mystifiziertenund ihn zur Rede stellten, was ihn zu dem Wagestück verleitet,einen offenbar Größeren, der ihn zerquetschen kann, so unbarm-herzig zu behandeln?"

Während seiner Anwesenheit in Italien erhielt Heine die Nach-richt, daß Platen ihn in einem Lustspiele vernichten wolle, und alser in Florenz den bekannten Kunstschriftsteller, Herrn von Nuhmvr,gleichfalls einen Freund Platens, kennen lernte, konnte ihm dieserjeneMitteilnng nur bestätigen. Heine machte kein Hehl daraus, daß er indiesem Falle den Grafen Platen schonungslos lächerlich machen würde,und auch diese Äußerung wurde natürlich dem schwcrgekränktcn Dichtereiligst hinterbracht. So wurde der Haß zwischen beiden eifrig geschürt,und es ist kein Wunder, daß er bald in hellen Flammen emporloderte.