L3 Biographie.
Zusammentreffen auf ihn machte, möge auch die Schilderung derHamburger Leidcnszeit des Dichters ihren Abschluß finden.
„Ich bin im Begriff", schreibt er an einen Freund, „diesenMorgen eine Frau zu besuchen, die ich in elf Jahren nicht gesehenhabe, und der man nachsagt, ich sei einst verliebt in sie gewesen.Sie heißt Madame Friedländer aus Königsberg, sozusagen eineCousine von nur. Den Gatten ihrer Wahl Hab' ich schon gesterngesehen, zum Borgeschmack. Die gute Frau hat sich sehr geeilt undist gestern just an dein Tage angelangt, Ivo auch die Ausgabe meiner„Jungen Leiden" von Hvffmann und Campe ausgegeben worden ist.— Die Welt ist dumm und fade und unerquicklich und riecht nachvertrockneten Veilchen. — Ich aber bin Herausgeber der politischenAnnalen; außerdem bin ich fest überzeugt, daß die Esel, wenn sieunter sich sind und sich ausschimpfen wollen, so schimpfen sie sichMensch'. — Ärgert Dich Dein Auge, so reiß' es aus, ärgert DichDeine Hand, so haue sie ab, ärgert Dich Deine Zunge, so schneidesie ab, und ärgert Dich Deine Vernunft, so werde katholisch. — Imneuen Bcdlam in London habe ich einen wahnsinnigen Politikergesprochen, der mir geheimnisvoll vertraut hat, der liebe Gott seieigentlich ein russischer Spion. Der Kerl soll Mitarbeiter werdenbei meinen politischen Annalen."
IX.
„Der Stern von Sevilla hätte mein Unstern werden können",schrieb Heine vvn Kassel aus an seinen Freund Mcrckel in Hamburg,als er sich bereits auf der Reise nach München befand. In Kasselmachte Heine die Bekanntschaft der Brüder Grimm, und damalsentwarf der dritte der Brüder, Ludwig, ein vorzügliches Porträt VvnHeine, ganz im Profil, den Kopf nachlässig auf die Hand gestützt, inecht künstlerischer Pose. Die Unterschrift des Bildes lautet:
„Verdrossenen Sinn im kalten Herzen hegend,
Schau ich verdrießlich in die kalte Welt."
In Frankfurt a. M. verkehrte Heine drei Tage lang in herzlichsterWeise mit Ludwig Börne. Heine hat die Gespräche, welche sie da-mals führten, selbst mitgeteilt; zunächst empfahl er dem in Geschllfts-angclegenhcitcn ziemlich unerfahrenen Börne seinen eigenen Verleger,das Gespräch kam dann bald danach auf HeineS eben erschienene„Ncisebildcr" und schließlich in natürlicher Reihenfolge ans Goethe.Mit dem ihm eigenen Scharfsinn begriff Heine schon damals, daßdein Hasse Börnes gegen Goethe tiefere Gründe als kleinliche Scheel-sucht "und Neid zu Grunde lagen, daß es vielmehr eine Dissonanzwar, welche, alt wie die Welt, in der Geschichte der Menschheit amgrellsten hervortrat „in dem Zweikampfe, welchen der judäischc Spiri-