Biographie.
Zunächst wurde der Druck des „ Buches der Lieder", das Heineschon längere Zeit vorher durch seinen Freund Merckel Campe hatteantragen lassen, in Angriff genommen. Honorar erhielt er freilichdafür nicht, da sich Campe nur sehr ungern entschloß, eine bereitsgedruckte Gedichtsammlung zu verlegen. Auf eifriges Zureden Merckelsverstand er sich endlich dazu, die SO Louisdvrs, welche er Heine imFrühjahr als Vorschuß gegeben, als Honorar für diese und allekünftigen Auflagen gelten zu lassen. „Es ist nichts als eine tugend-hafte Ausgabe meiner Gedichte", schrieb Heine, als er Mitte Oktoberdas erste fertige Exemplar nach Berlin sandte. „Es ist wunderschönausgerüstet und wird wie ein harmloses Kauffahrteischiff unter demSchuhe des zweiten Reisebilderbandes ruhig ins Meer der Ver-gessenheit hinabscgcln."
Wieder ein merkwürdiges Zeugnis von der seltsamen Unklarheit,in der sich Heine über seine eigenen Produktionen befand!
Das Gesamtbild seiner dichterischen Individualität lag nun offenund klar vor den Augen des Volkes, das dem jungen Poeten be-geistert zujauchzte, und auch die zeitgenössische Kritik begrüßte dieUrsprünglichkcit und Selbständigkeit des Lyrikers als eine neue underfreuliche Erscheinung auf dem deutschen Parnaß. „Das Buch derLieder" und die „Rcisebilder" hatten Heine zu einem der berühmtestenlebenden Dichter gemacht.
Aber überall, in ganz Deutschland, brach sich diese Erkenntnisund die Anerkennung Heines eher Bahn, als in Hamburg und alsin seiner eigenen Familie. Nur schwer und ungern entschloß mansich dazu, die Bedeutung des Dichters zu würdigen. Sein Lebens-wandel wurde von den Tngendwächtern mit Argusaugcn bewacht,und Wahrheit und Dichtung mischten sich über denselben in seltenerHarmonie — er war wirtlich damals einer der bcstverlcnmdetenMenschen Hamburgs. Wenn er einer jungen Schauspielerin, TheresePeche, die damals alle Hamburger entzückte und selbst ernste Kritikerzu begeisterten Lobcshymnen enthusiasmierte, besondere Aufmerksamkeitschenkte, so wurde dies sofort zu einer regelrechten Liebschaft auf-gebauscht, gegen die sich Heine, um des guten Rufes der jungenDame willen, entschieden verwahren mußte.
Inzwischen war aber der Entschluß, den Antrag Cottas an-zunehmen und nach München zu übersiedeln, in Heine fast zurReife gediehen, und es bedurfte nur eines geringen Anlasses — dieAffaire Peche war ja wohl eine solche —, um den Entschluß zurAusführung zu bringen.
Bevor Heine seine Zelte in Hamburg abbrach, noch in den lebtenTagen seines dortigen Aufenthalts, begegnete ihn, etwa? Merkwürdiges.Er sah seilte erste Geliebte wieder, zum ersten Male seit ihrer Ver-heiratung! lind illit der Schilderung des Eindrucks, den dieses
Heiue'S Werke. I. Bd. (Biographie.) 7