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1 (1898) Buch der Lieder Biographie
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Biographie. 99

tualismus gegen Helleneische Lcbcnsherrlichkcit führte, ein Zweikampf,der noch immer nicht entschieden ist und vielleicht nie ausgekämpftwird; der kleine Nazarencr haßte den großen Griechen, der noch dazuein griechischer Gott war."

Die deutsche Literaturgeschichte von Wvlfgnng Menzel war ebenerschienen, und Börne zeigte sich hocherfreut, daß jemand gekommen sei,der den Mut habe, so rücksichtslos gegen Goethe aufzutreten.

In ihren politischen Anschauungen, in ihrer Antipathie gegenden Aristokratenknccht Goethe" und in ihren Sympathien für Frank-reich waren die beiden Manner einig. Ihre Wege trennten sich, woHeineS Egoismus und sein klarer Blick oder BornesnazarcnischeBeschränktheit" hervortraten. Obwohl Heine damals nicht allzugutauf Goethe zu sprechen war, da man ihm aus Berlin sehr ungünstigeÄußerungen deS Dichters über die Reisebilder berichtet hatte, durchdie Goethe seiner Meinung nachdas Völkerrecht der Geister verletzthatte", vermochte er doch nicht in den absprechenden Ton einzustimmen,den Börne, und vor allem Wolfgang Menzel, gegen Goethe anschlugen.

Aber im Grunde war es doch dieselbe demokratische Weltanschauung,die Heine, wie Börne und Menzel zu ihrem Angriffe gegen Goethegetrieben. Und mochte er sich auch selbst für einen Hellenen halten

er behauptete ja: alle Menschen seien entweder Juden oder Hellenen

damals, als er mit Börne durch die Frankfurter Judengasse ging,war er kein lebensfreudiger, cntfaltungsfroher Hellene, sondern vieleher ein historischer, vcrgcistcrungssüchtiger Nazarencr, der seinenfrüheren Glaubensgenossen weit näher stand als Ludwig Börne.

Die drei Tage des Frankfurter Aufenthalts verflossenin fastidyllischer Friedsamkeit".Hüten Sie sich, in München mit denPfaffen zu kollidieren", waren die letzten Worte, die Börne demscheidenden Freunde beim Abschied ins Ohr flüsterte, und wehmütigblickte er dem Dahingehenden nach,wie ein alter Seemann, der sichaufs feste Land zurückgezogen hat und sich von Mitleid bewegt fühlt,wenn er einen jungen Fant sieht, der sich zum erstenmal aufs Meerbegiebt". Heine aber ging siegesgewiß in seine neue Zukunft hinein,denn er trug an Bord seines Schiffesdie Götter der Zukunft".

In Heidelberg besuchte Heine seinen die Medizin studierendenBruder Max und hielt sich dort mehrere Tage ans. Vincenz vonZnccalmagliv erzählt ein interessantes Abenteuer, das dem Dichterdamals passierte. Eines Tages machte Heine mit einer PartieStudenten einen AuSflug nach der Wartburg bei Weinsberg, jenseitsHeilbrvnn. Plötzlich trat ein württcmbergischcr Polizcimann in Civil-kleidern unter die zechenden Studenten und ließ sich von einem der-selben den Verfasser derReisebilder" zeigen. Er ging dann aufHeine zu und frng ihn, ob er die Ehre habe, den Dichter Heine vorsich zu sehen. Dieser schien freudig berührt, in der Meinung, jener

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