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sollen; selbst die Freunde thun erschrecklich tugendhaft als ordnungs-liebende Gelehrte und Bürger — kurz, ans serviler Angst wird allesgetadelt." Mit seiner scharfen Beobachtungsgabe hat Barnhagen inseiner knappen Weise den Eindruck der Reisebilder völlig zutreffendgeschildert. „Es war eine niedergedrückte, arretierte Zeit in Deutsch-land," schrieb Heine später einmal, „als ich den zweiten Band der.NcisebildcA schrieb und während des Schreibens druckenließ. Ehe er aber erschien, verlautete schon etwas davon imPublikum; es hieß, mein Buch wolle den eingeschüchterten Freiheits-mut wieder ausmuntern, und man treffe schon Maßregeln, es eben-falls zu unterdrücken." Die Ahnung Heines täuschte ihn nicht, baldnach dein Erscheinen wurde das Buch von Österreich und Preußen,und nach deren Vorgange von fast allen deutschen Kleinstaaten verboten.
Aber gerade diese Maßregel reizte die Neugier des Publikums imhöchsten Grade und machte das Buch zu einem politischen Zeitereignis.
An demselben Tage, an welchem die „Reisebilder" in Hamburgausgegeben wurden, trat Heine die längst projektierte Reise nachEngland au. Es scheint doch, als ob ihm die Luft im Vaterlandeetwas zu schwül geworden war. Und wenn man von den Ver-folgungen liest, denen liberale Politiker und freisinnige Schriftstellerdamals in Deutschland ausgesetzt waren, so wird man diese Angstberechtigt und begreiflich finden, wenn auch Heine wiederholt ver-sichert, daß nur „das Klngheitsgesetz, das jedem rate, nichts zuriskieren, wo gar nichts zu gewinnen ist", vor allem aber die Sehnsucht,Hamburg einmal endlich den Rücken zu kehren, ihn weggetrieben habe.
Es war eben eine trübe Zeit in Deutschland, nichts als „Eulen,Censurediktc, Kcrkerdnft, EntsngungSrvmane.Wachtparaden,Frömmeleiund Blödsinn"; kein Wunder, daß Heine, als er in den letzten Tagendes Aprilmonats in London eintraf und die grünen Ufer der Themseerblickte, England als das Land der Freiheit mit dithyrambischemSchwung begrüßte, und daß in allen Winkeln seiner deutschen Seele„die Nachtigallen erwachten" und in jeneS Lied mit einstimmten:„Sei mir gegrüßt, Freiheit, junge Sonne der verjüngten Welt!"
Mit einem solchen jugendlichen Enthusiasmus konnte natürlichder Dichter auch in England nicht das finden, was er suchte, undder gelbe Mann auf dem Verdeck des Schiffes hatte wohl recht,wenn er erklärte, daß jedes Volk von der Religion der Freiheit nur jdasjenige annehme, was seinen Lokalbedürfnissen und seinem National- icharakter gemäß sei. Da die Engländer ein häusliches Volk seien,so wären sie mit jener Freiheit zufrieden, die ihre persönlichsten Rechte ^verbürge und ihren Leib, ihr Eigentum, ihre Ehe, ihren Glaubenund sogar ihre Grillen unbedingt schlitze.
Die Beobachtungen, welche Heine im Lande John Bulls überenglisches Leben und englische Sitten machte, und die Eindrücke,