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1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
89
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Biographie. 89

nb über Cuxhaven, wo er sich acht Tage aufhielt, und in einer wildenund stürmischen Nacht langte er tu Norderney an.

Auch diesmal befreite ihn der Anblick des Meeres wieder vonallen Sorgen, und entrückte ihn der Aufenthalt in Norderney vonall den großen und kleinen Leiden seines Daseins. Von der Bade-gesellschaft des vorigen Jahres war wieder die Fürstin von HohensvlmS-Lich und die schöne Cellcnserin anwesend, deren Abreise imVorjahr ihm das Herz so schwer gemacht hatte, und deren Anwesen-heit ihn diesmal in süße Schwärmerei versetzte.

Der Ubergang von derartigen sentimentalen Poetischen Stim-mungen zu etwas prosaischerer Thntigkeit wurde auch diesmal amSpieltisch gemacht. Trotz seiner vorjährigen Erfahrungen wagte erdiesmal wieder sein Glück am grünen Tische. Es lag für ihn eineSüßigkeit eigener Natur in dieser unbestimmten Lebensart, Ivo allesvom Zufall abhängt.

Von Männern seines Umgangs ist nur der Fürst Koslovskybekannt, der, ebenfalls ein Freund Varnhageus, die Gesellschaft Heinessehr liebte; die Mitteilungen des Fürsten über England waren dieerste Anregung für Heine, eine Reise dorthin zu unternehmen. Mehrals jemals beschäftigte sich Heine damals mit dein englischen Leben;er las mit Eifer Walter Scotts Romane und englische Zeitungen.Unwillkürlich drängte sich ihm die Parallele zwischen dem Leben jen-seits deS Kanals und dem deutschenBagatell-Leben" auf.Oft,wenn ich die Mvrgcn-Chrvnicle lese und in jeder Zeile das englischeVolk mit seiner Nationalität erblicke, mit seinen Pferderennen,Boxen, Hnhnenkämpfcn, Assisen, Parlamentsdebatten n. s. w., dannnehme ich wieder betrübten Herzens ein deutsches Blatt zur Hand,und suche darin die Momente eines Volkslebens, und finde nichts,als litterarische Fraubasereien und Thcatcrgeklätsche."

Neben diesen Studien und Anregungen arbeitete Heine gleich-zeitig an seinenNordscebildcrn" weiter, im Angesicht desblassenMeercsstrandcs", deS weit ausschauenden, silbergrnnen Weltmeeres, sowie an seinem Fanstpvem, dessen erste Scenen, wie erwähnt,bereits in Güttingen entstanden sind.

Nach beendigter Kur reiste Heine wieder ans einige Zeit zuseinen Eltern nach Lüneburg. Er lebte dort in stiller Zuriick-gczogcnhcit seinen Arbeiten und Studien und verkehrte nur mitRudolf Christiani, der, ein vielgeschätzter Stadtpoet, als Sekretärbeim Magistrat der kleinen Salinenstadt angestellt war. Christianiwurde Heines poetischer Lcibknappc und der Dichter schloß mitdiesem liebenswürdigen Jüngling" innige Freundschaft. Sie ver-lebten täglich viele Stunden miteinander, denn Christiani war einwohlwollender Beurteiler der Schöpfungen HciueS, die er ihm stets,bald nachdem sie entstanden waren, vorlas.