Biographie. 8K
Düsseldorf zurück, um sich dort für den Besuch der Universität vor-zubereiten. Der Ruf, daß er „schöne Verse zu machen wisse", ver-breitete sich bald in der Heimatstadt und gar manche junge Dame erbatund erhielt einen witzigen oder schwermütigen Spruch für ihr Albuin.
Heines Lieblingslektiirc waren damals die Balladen von LudwigUhland, dessen Einfluß auf unseren Dichter ein unverkennbarer ist.Unter dem Eindruck der Zeitereignisse und dieser Lektüre entstand injenen Tagen die später sv bekannt gewordene Romanze „Die Grena-diere", die bald darauf von Max Kreuzer in Musik gesetzt und demfranzösischen Marschall Soult gewidmet wurde. Heine verkehrte da-mals zumeist mit seinem Schulfreunde Josef Neunzig — sie bereitetensich beide zugleich für die Universitätsstudien vor und nahmen Unter-richt im Lateinischen bei einem alten Lehrer, einem Jesuiten, der mitHeine seine liebe Not hatte, da dieser die alten Klassiker mit Vor-liebe in den jüdisch-deutschen Jargon übersetzte — und Neunzig er-zählte später, daß der Eindruck ein unvergeßlicher sei, den jeneRomanze auf ihn hervorgebracht, als ihm Heine dieselbe mit tief-schmerzlicher Betonung vorlas.
Im Spätherbst desselben Jahres bezog Heine die Universitätzu Bonn.
III.
Die Universität in Bonn wurde im Jahre IL13 von FriedrichWilhelm III. wieder eröffnet, nachdem sie während der Zeit der fran-zösischen Fremdherrschaft mehrere Jahre geschlossen war. Die jungeHochschule erfreute sich bald eines glänzenden Rufes; schon im zweitenSemester desselben JahreS zählte sie siebenhundert immatrikulierteHörer. Diesen Ruf verdankte die Unversität zunächst ihren aus-gezeichneten Lehrkräften, von denen nur Namen ivie Mittermeier,Wclcker, Arndt, A. W. von Schlegel, Delbrück, Diestcrwcg, Freytag,Rees von Escnbcck u. a. genannt sein mögen.
Auch unter den Hörern befanden sich viele, die später auf ver-schiedenen Gebieten der Wissenschaft und Littcratnr sich einen be-deutenden Namen erworben haben. Außer Heine besuchten auchSimrock, Licbig, Hengstcnbcrg, Hoffmann von Fallersleben, Dieffen-bach, Johannes Müller, Jarke u. a. die Universität.
Das Leben auf dieser Hochschule war von einem sittlichen undwahrhaft patriotischen Geiste getragen. Gerade die Verfolgungen,die die Universität von feiten der Regierungen in jenen Tagen zuerdulden hatten, hatten jenen Geist groß gezogen und befestigt. DerKarlsbader Kongreß hatte eben jene Beschlüsse gefaßt, welche Wilhelmvon Humboldt mit Recht „schändlich, unuatioual, ein denkendes Volkaufregend" genannt hatte und deren Endzweck die gewaltsame Unter-drückung jeder freisinnigen Regung in der deutschen Jugend war.Der Mord KvbcbueS, welcher ganz offen die Rolle eines russischen
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