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1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
36
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86 Biographie.

Spions und Vaterlandsverräters gespielt hatte, wurde das Signalzu einer großen Demagvgcnhetze, welche soviel edle Kraft und edlesWollen zu Tode gejagt hat. Die Mainzer Central-Untersuchnngs-kvninlissivn spann ihr Netz über alle deutsche Universitäten aus undalle, welche nur im entferntesten Verdacht burschenschaftlicher Ge-sinnung standen, wurden in Untersuchung gezogen. Heine erlebtediesen Auflösungsprozeß der allgemeinen deutschen Burschenschaftwährend seiner Studienzeit mit, und man darf wohl annehmen, daßdie Eindrücke jener trostlosen, niedergedrückten Zeit, der sogenanntenRcstanrationSepvchc, bestimmend und maßgebend wurden für seinepolitische Weltanschauung, die eigentlich trotz aller scheinbaren Wand-lungen doch immer dieselbe geblieben ist.

Schon in den ersten Tagen seines Bonner Aufenthalts, bevorer noch die Aufnahmeprüfung bestanden und ordentlich immatrikuliertwar, wurde Heine mit mehreren seiner Freunde in eine politischeUntersuchung verwickelt. Veranlassung dazu gab ein Fest, welchesdie Studierenden der Universität am 18. Oktober, dem Jahrestag derVölkerschlacht bei Leipzig, veranstalteten. Sie zogen abends auf dennahen Kreuzberg, wo bei dem Schein der Fackeln und einem mächtigenFreudcnfener ein Berliner Theologe eine schwungvolle und begeisterteRede hielt, in der erzu Tugend und Religion, zum fleißigen Diensteim Dome deS deutschen Volkes und im Tempel der Wissenschaft er-mahnte, darauf hinwies, daß das Volk auf die blühende Jugendhoffe und mit der Frage schloß, ob sich einer dem Dienste des Vater-landes entziehen wolle." Natürlich wurde die Frage einstimmig ver-neint und nach einem Hoch auf den kurz vorher verstorbenen VaterBlücher ging die Versammlung auseinander.

Bald darauf erschien in einer Düsseldorfer Zeitung ein Referat,das Josef Neunzig, Heines Landsmann und damaliger Stnbcngenvssc,eingeschickt hatte, und in welchem dem Hauptredner folgende Wortein den Mund gelegt wurden:Brüder! auf uns ruht eine schwereLast, auf uns hofft und wartet das Volk, um das gedrückte Vater-land vom Drucke zu befreien." Darauf sollte ein donnerndes Hochauf die damals stark verpönte Burschenschaft ausgebracht worden sein. Grund genug, um sofort eine hochnotpeinliche Untersuchung an-zustellen, in die elf Studenten und zwei Professoren, welche auf demKrcuzberg mit anwesend waren, hineingezogen wurden. Die Untcr-suchuug wurde von dem berühmten Strafrechtslehrer Mittcrmniergeführt und das mit Heine aufgenommene Protokoll ist noch erhalten.Die Untersuchung stellte sich schließlich als rcsultatlos heraus: aberder Eindruck, den dieselbe auf Heine und seine Freunde hervorbrachte,darf nicht unterschätzt werden, wenn man sein Lebensbild aus histo-rischen Bedingungen konstruieren null.

Wie bereits bemerkt, hatte Harrh Heine in Bonn zunächst eine