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1 (1898) Buch der Lieder Biographie
Entstehung
Seite
34
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84 Biographie.

Hilfe seines Oheims im Jahre 1818 sich selbständig etabliert nnd einKommissionsgeschäft in englischen Mannfakturwaren nntcr der FirmaHarry Heine Comp, eröffnet hatte. Darauf beziehen sich auch dieungeheuren Handelsspckulativnen", von denen der Dichter in jenemoben erwähnten Briefe schreibt, die ihm allerdings so wenig zuschassen machten, daß er schon im Frühjahr des folgenden Jahres 1819das Geschäft liquidieren muhte.

Sein inneres Leben war damals, wie er selbst später sagte, einbrütendes Versinken in den düsteren, nur von phantastischen Lichternerhellten Schacht der Traumwelt; sein äußeres Leben allerdingstoll,wüst, cynisch, abstoßend", kurz er machte es zum schneidenden Gegen-satze seines inneren Lebens, damit ihn dieses nicht durch sein Über-gcwicht zerstöre! Eine andere Auffassung scheint freilich SolomonHeine gehabt zu haben, der für die Genialität seines Neffen aller-dings nur geringes Interesse zeigte. Erst nach dein Zusammenbruchdes Geschäftes in der Kleinen Bäckcrstraße, vorher am GraskcllcrNr. 139, gab er die Hoffnung ans, aus Harry Heine einen tüchtigenGeschäftsmann zu machen. Und erst nach vielen vergeblichen Bittenund Versuchen entschloß er sich dazu, ihm großmütig die Mittel zumStudieren zu geben, mit der Bedingung, daß er sich dem juristischenStudium mit vollstem Eifer widme, den Doktorgrad erwerbe und sichdann in Hamburg als Advokat niederlasse.

Auch eine kleine Judenverfolgung hatte Heine noch in den letztenTagen seines Hamburger Aufenthalts erlebt und die Erinnerungdaran beschäftigte ihn wiederholt noch in späteren Jahren. DerJudenhaß, der während der Franzvscnzcit fast gänzlich geschwundenwar, begann in der Epoche der RestanrntionSpolitik wieder aufzu-dämmern. Und die freie Hansestadt folgte dem Beispiel willig, dasihr andere deutsche Städte, Würzburg voran, gegeben hatten. DerPöbel durchzog die Straßen mit dem Feldgeschreihcpp, hcpp",warf den Juden die Fensterscheiben ein nnd prügelte dieselben, sofernsie sich auf den Straßen sehen ließen. Zwei Nächte dauerten dieseUnruhen fort, bis ein Plakat der Behörde erschien, welches mit derDrohung schloß: die Garnison würde fortan scharf feuern. Damitwar die Judenhctze zu Ende und damit endeten auch die HamburgerLeidenszeit und die kaufmännischen Lehrjahre HeineS, von denen erin Wahrheit nur einen einzigen Vorteil gezogen hat, nämlich seineschöne Schrift.Seine Handschrift war sauber nnd erinnerte aneine Kaufmannshand, welche viel Allotria getrieben; bei ruhiger Ab-schrift ganz kaufmännisch fest nnd nur in starken Grundstrichen überden geschäftlichen Charakter hinausgehend, bei eiliger Zuschrift ohne dieseGrundstriche und in dünner Undentlichkeit hinfahrend." Überhaupt warvon seiner Familie ein positiver Kanfmnnnsrest in ihm verblieben.

Im Sommer 1829 verließ Heine Hamburg nnd kehrte nach