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überirdische' Gestalt auf jenen Platz hin und sank dann ohnmächtigzusammen.
Den traumhaft sinnenden Zug behielt Heine bis an sein Lebens-ende. Wenn man den Einfluß der Jugendjahre ans das Werdenund Wachsen des Mannes in Betracht ziehen will, so muß man nichtnur das heitere, lebensfrohe Treiben der Stadt am Rhein, den leichtenSinn und die frohe Lebensart des Völkchens, das die rebenumkränztenklfcr des Stromes bewohnt, in Erwägung ziehen, sondern man mußanch ans die Nachtseiten jenes Lebens und bei Heine vor allem aufjene düstere Grundstimmung Bezug nehmen, die er von früh ansins Leben brachte und durch die ihn viele Erscheinungen des Lebensmächtig anzogen, an denen andere gleichgültig vorübergingen. Derdüstere und unheimliche Zng in seiner Jngcndpocsie, das Traum-hafte und Schwermütige in vielen seiner ersten Lieder, der wilde undschauerliche Humor, die wollüstige Grausamkeit seiner „Jungen Leiden"findet seine Erklärung in jenen Jugendeindrücken, unter denen derEinfluß des Oheims Simon van Geldern obenansteht. Die Schilderungdieses Sonderlings in den „Memoiren" weist überzeugend auf diesenEinfluß hin. Das Geheimnisvolle, Altmodische, Ritterliche in seinemWesen, sein rastloser Fleiß, seine gelehrten Liebhabereien, seine Wntzu schreiben, die Schätze und Antiquitäten seiner großen Bibliothek,in der die Geheimwissenschaften besonders vertreten waren, endlichein altes Notizbuch von der Hand eines Großoheims, der weite undwunderbare Reisen in den Orient gemacht hatte und ein Schwärmerund Glücksritter deS 18. Jahrhunderts gewesen zu sein scheint, diesalles im Berein machte einen unauslöschlichen Eindruck ans das empfäng-liche Gemüt des Knaben und beschäftigte seine Phantasie unaufhörlich.
In diesem Zustande lernte Harry durch seine alte WärterinZippel — eigentlich Sibylle — ein Weib kennen, die man gemeinhin„die Meisterin" oder auch „die Göchin" nannte, weil sie aus Gochgebürtig war, wo ihr verstorbener Mann das verrufene Gewerbeeines Scharfrichters getrieben hatte. Sie selbst wurde vom niederenVolke als Hexe gefürchtet. Heine ging oft nach ihrer Wohnung, demabgelegenen „Freihause", aber weniger wegen ihrer Zauberkünste,als derer wegen, die ihre marmorschöue Nichte, Josepha, auf densechzehnjährigen Knaben ausübte. Dort brachte Harry viele Stundendes Tages zu, im traulichen Gespräch mit jenem seltsamen, blassenMädchen, zuweilen auch mit dem unheimlichen, von allen Menschengemiedenen Weibe, das in der ganzen Gegend unter dem Namen„die Hexe von Goch" bekannt war und das dem Knaben die aben-teuerlichsten Spukgeschichten, sowie phantastische Märchen aller Arterzählte und schauerliche Totenlieder vorsang.
Anch unter seinen Jugcndgenvssen befand sich solch ein früh-reifer, träumerischer und verschlossener Knabe, der Sohn eines Korn-