Biographic. 23
paar Worte in der hebräischen Hymne ,Ma,jbi lmobs,?i Imla.slachdie man, wie Sie wissen, an den zwei Ostcrabenden singt." DieseHymne gedenkt nämlich aller ans die Geschicke der Inden sich be-ziehenden Ereignisse, die nm Mitternacht vorgefallen nnd erwähntanch den Tod dcS Babylonischen Tyrannen, der infolge der Ent-weihung der Teinpelgcfäße in der Nacht hinweggerafft wurde. Jeneoben citicrten Worte sind der Refrain dieses Liedes, das einen in-tegrierenden Teil der lZnAncla, bildet, einer poetischen Legenden- nndLiedersammlung, die die frommen Juden am Osterabend fLseisr)feierlich rentieren.
Ein zweites Gedicht, welches nicht viel später entstanden seinkann, hat Heine sogar in das „Buch der Lieder" aufgenommen. Esist die Romanze: „An eine Sängerin, als sie eine alte Romanzesang." Dem Gedicht liegt ein wirkliches Erlebnis zu Grunde. DieSängerin, der es gewidmet war, hieß Caroline Stern und ist erstvor wenigen Jahren im hohen Greisenalter in Berlin gestorben.
Unter seinen Jugendfreunden war namentlich einer, der dasTalent Heines von früh auf zu schätzen wußte, Christian Sethe.Obwohl ihre Natur durchaus verschieden war, schlössen sie doch schonans den Bänken des Düsseldorfer Lyccnms die innigste Freundschaft.Sie ergänzten sich beide. Sethe war eine durchaus praktische Natur,ruhig, gemessen, pflichtgetreu, Heine dagegen leicht erregbar, launen-haft, aber begabt nnd gutherzig. Sethe war es auch, der das ältesteGedicht seines Freundes, jene oben citierte „Wnnnebergiade" auf-bewahrt hat. Heine hatte wegen seiner Spvttsncht viel von denMitschülern zu leiden; da er körperlich schwach war, zog er im Kampfemit stärkeren Kameraden stets den kürzeren; auch als Jude hatte ermanches zu erdulden. Bei allen Streitigkeiten suchte und fand er inSethe einen treuen Helfer nnd Freund, während dieser an dem be-gabten Knaben wieder eine Stütze bei seinen Schularbeiten hatte.
Denn in Bezug auf diese war Harry Heine stets unter den Erstenseiner Klasse und wnrde deshalb von den Lehrern vielfach aus-gezeichnet. Die öffentlichen Prüfungen im Lycenm am Ende desSchuljahres brachten dem Knaben jedesmal einen kleinen Triumph- nur eine derselben wurde für ihn verhängnisvoll. Harry solltebei dem feierlichen Schnlaktus ein Gedicht deklamieren und zwar den„Taucher" von Schiller. Eben war er zu der Stelle gekommen, woder König der lieblichen Tochter winkt — da fielen seine Augenplötzlich auf die schöne, blondlockige Tochter des Ober-Nppellations-gerichtspräsidenten sin Wahrheit des Kriegsrats) von A . . ., die mitihrem Vater in der ersten Reihe saß. Dreimal wiederholte erdie Stelle, ohne fortfahren zu können. Der Klassenlehrer suchteauszuhelfen, aber vergebens, der Knabe hörte nicht mehr. Mitgroßen offenen Augen schaute er wie auf eine plötzlich erschienene