27V Von den Mysterien und dem Volksglauben
der große Leichtsinn: fremde und sogar feindliche Gotteranzubeten, denen gewiß kein Deutscher/ kein Rechtschaf-fener, sich und das Scinige je würde anvertrauet ha-ben? Mit welchem Grunde hatte Tacitus unsreNation immer sich selbst gleich und von dem Verkehrmit andern Volkern am wenigsten angesteckt nennen kön-nen, wenn sie die wahre und von ihren Ahnen ererbteReligion verlassen, und gegen ihre Ueberzeugung steh andie Römischen Gotter gewandt hätte? Daß sie abersammt den Benennungen auch die Statuen von den Rö-mern erhalten habe, dem widersprechen die Worte Lu-kans
'and die traurigen Bilder der Götter
Mangeln der Kunst, und sind unförmlich gehauene Klötze.
Da also durch diese Friedensboten keine Eintracht zwi-schen jenen berühmten Schriftstellern kann gestiftet wer-den ; durch die oben vorgeschlagene Unterscheidung aber,wie durch einen Mantel der Politik, sämmtliche Spurender chmaligcn Zwietracht verhüllt werden: was hindertuns zu nnichmaßcn, Cäsar und seine Anhänger habendas was sie von den Götzen melden, ans dem Mundedes gemeinen Mannes und ans den aufgestellten Denk-bildern; Tacitus hingegen seine Nachrichten aus demMunde der Druiden und der Priester geheimer Gottes-dienste, oder solcher die mit ihnen Umgang pflogen, ge-schöpft? Was hindert uns, sageich, anzunehmen daßdie Theologie der Druiden eine andere als die Volks-theologie gewesen ist, da fast alle Nationen eine solcheReligionsverschicdeuheit durch ihr Beyspiel bestätigthaben?
Ich
(Zerni. H-stsisrsal. Ilb. A.