Vorrede zu den: Trauerspie! Armmius. 2üi
Gutsherrn nicht zu reizen, vor welchen sie sich, wie ehe-mals vor den Römern in Acht nehmen. Ans eben die-ser Ursache wenden sie nicht viel ans die Pracht derHaus-gerathe. Man kann den Herrn von dem Knechte nichtunterscheiden. Sie wohnen beide unter einem Stroh-dache, leben in einem Rauche, und speisen au einem Ti-sche; einJtalianer würde bey einer schonen Baurinn seinGlück im Lieben nicht machen, weil ihre Sitten undDcn-kungsart so weit von einander unterschieden sind, daßniemals die zum Lieben nothige und vertrauliche Gleich-heit unter ihnen entstehen kann. Die Mode Brust undArme bloß zu tragen, haben nunmehr die Römerinnenselbst von den Barbaren angenommen. Trinken und Zan-ken sind bey ihnen unverjahrte Tugenden; und einBauerist nicht vergnügt, wenn er nicht zum wenigsten dreyProzesse hat. Mein Vaterland, welches kaum sechsMeilenins Gevierte halt, ernährt über zweyhundert Diener derGerechtigkeit, die jährlich mit hunderttausend Thalernlange nicht bezahlet werden können.
Hieraus sieht man, daß Tacitus unsre Vorfahrenzwar treulich geschildert, jedoch aber diejenige Seite zumGemälde erwählet habe, welche den Romern am meistenemgegen gesetzet gewesen. Man kann also dieselben auchvon einer andern Seite betrachten, und ohne Widerspruchbebaupren, daß die Vornehmen unter ihnen, wie ich obenangeführt habe, eben so feine Empfindungen, als dieRomergehabt, und dieselben bey ihren Handlungen aus-gebildet haben.
IV.