2öo Vorrede zu dem Trauerspiel Armimus.
nach einer altern Nachricht vorher langsam genannt, ihreFertigkeit und Leichtigkeit den römischen Soldaten vorzu-zichn gezwungen wurde. Bedenket man nun endlich dieMenge der Advocaien, welche bey dem Varus waren,und sich von der Thorheit unserer Vorfahren bereicherten:so kaun man nicht anders muthmaßcn, als es müsse reuehe Clienten gegeben haben, wodurch jene von Rom insolcher Menge herbey gclocket und gcrcizet worden dieRechtshandel zu verewigen.
Dem allen aber ungeachtet lasset sich die Beschrei-bung , welche Tacitus von ihnen in seiner Parallele ge-macht, noch bis auf diese Stunde auf unsre niedersach-sische Banern anwenden. Denn diese verheirathcn sichvor dem fünf und zwanzigsten Jahre selten. Ihre Tochterwerden auch nicht in ihrer Kindheit, wie die Römerin-nen, verbunden. Cs fehlet ihnen an Müßiggang, umauf dic Buhlcrey zu gedenken. Ihre Hofe liegen zerstreuet,damit keine gar zu nahe Nachbarschaft die Gränzen der-selben einschränken möge. Ihre Felder bleiben ein Jahrums andre brache, damit sie desto fruchtbarer werdenmögen. Man liegt nicht wie die Römer zu Tische; son-dern ein Jeder hat seinen eignen Stuhl. Ihre Kost be-stehet mehrentheils in Früchten und geronnener Milch;nur müssen sie anstatt des Wildes, die geräucherten Spei-sen erwählen. Schreiben und Lesen würden sie noch nichtkönnen, wenn ihnen nicht die Reformation die Gesang-und Gebetbücher in die Hände gegeben hatte. Sie ent-halten sich der ehelichen Bcywohnnng nicht aus Furch:zu viel Kinder zu zeugen, indem die Menge derselben ih-nen eben so viel Ehre, als den verschwendrischen Rö-mern Last bringt. Die eignen Leute, welche oftmals vieleTausende mehr als ihre Herren besitzen, scheinen blutarmzn seyn, um den Geiz der Richter, der Vögte und der
Guihs-