Vorrede zu dem Trauerspiel Arminius» 259
geil aber ist nicht glaublich, baß das Frauenzimmer, sodiese bedienet, und alle diejenigen welche au ihren Hosengewesen, sich durch eine ungebildete Rauhigkeit unertrag»lieh gemacht haben. Der Umgang setzet, so viel es mög-lich, glcichgesittcte Personen voraus; und MaU würdegegen alle Wahrscheinlichkeit handeln, wenn man auchnur die Reitknechte des Flavius sich nur Ochsenhorncrnvorstellen wollte. Ein Fürst hatte die zahlreichste Leib-garde von jungen Edelleuten um sich. Er zog die tapfer-sten nach Hofe, welche ihn zu Friedens- und KriegszeiteNbegleiteten. Die jungen Ritter gingen in die Fremde aufAbenteuer, und versuchten sich im Kriege. Sie hattenGeschmack an der Baukunst, weil sie sich schon damals inItalien um die Einrichtung der Theater bekümmerten.Die Kleidung der Deutschen, welche vor der Römischenin ganz Europa nunmehr den Vorzug behalten, rechtfer-tiget ihren Geschmack in der Kunst die Kleider zu erfinden»Und wenn sie gleich unterweilen mit Fellen bekleidet ge-wesen, so ist solches nicht als ein Zeichen der Rauhigkeit;sondern vielmehr als ein Merkmal ihrer Pracht und Zierdezu beachten, indem dabey das auswärtige, kostbare undmit Flecken beworftne Pelzwerk denn einheimischen vorge-zogen wurde. Die Frisischen Gesandten wußten ihreWürde mit solchem Anstand zu Rom zu unterhalten, daßsie von dem ganzen Volke nicht allein ihres glücklichenWetteifers, sondern auch ihrer Höflichkeit wegen bewun-dert wurden. Der Eifer der Deutschen, das wirklichod r scheinbar Gute nachzuahmen, war so groß, daß sichin zchcn Jahren ihre.ganze Kriegesart veränderte, unddiejenige Armee, welche anfanglich so schwer und lang-sam war, daß sie sich nicht wenden konnte-? zuletzt aiiFertigkeit die Römer übertraf; sie wär ehe in des Ccria-kis Schlafgemach, ehe dieser Römer wusste, daß sie ihnanzugreifen ausgegangen wären; daher Tacitus, der sie'
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