von den Sitten unsrer Zeit. 25z
äußernder Gelegenheit, noch glücklicher wieder anbringen;alle Unterredungen so lenken, daß sie dabey ihren Verstandzeigen könne; diejenigen Personen, so sie ihrer Hochach-tung vorzüglich würdiget, billig beurtheilen, und wennman sich dadurch in den Credit der Aufrichtigkeit, dieman auch wirklich besitzen muß, gesetzet, von derjenigenArt worunter sie sich gefallt, ein verdientes und rühmli-ches Urtheil fallen; nur deswegen scharfsinnig seyn, da-mit unsre Hochachtung, als die Hochachtung eines Ken-ners, desto tiefern Eindruck mache; und endlich ein ver-nünftig bischen verliebt seyn: dieses sind größere Schmci-chelcyen, als alle erhabene Lobreden. Nur muß man einebequeme Gemüthsbeschaffenheit besitzen, damit die schön-sten Sachen, bey einer gewissen äußerlichen Aufführung,nicht lacherlich werden.
Unsre Eigenliebe hat zwar schon gelernt, den Schmei-cheleien thörichter Leute einen sprichwörtlichen Glaubenbeyzulegen; allein es ist doch hieraus keine Regel zu ma-chen. Es finden sich nicht immer solche Wirthe, denendie Schmeichclcyen des Don O.uichot, mannhaften An-denkens , ein dauerhaftes Vergnügen erwecken. Insge-mein sind es auch nur niederträchtige Schmeichler. Dieseaber vermuthen wir in unsrer Gesellschaft nicht; darumwollen wir mit ihren Thorheiten unsre Blatter nicht vcr-unchren.
Alle Lobsprüche, die Boileau erhalten, waren ihmso angenehm nicht, als die schmeichelhafte Aufmerksam-keit der Herzoginn von Orleans, welche ihm den schön-sten Vers seines Pults, und zwar in der Hofkapellc, dajedermann von Andacht erfüllet seyn sollte, insOhr sagte.Uns hat vormals ein ähnlicher Zufall einen Mann ver-ehren lehren, dessen zärtliche Aufmerksamkeit den gering-sten Herzensbcwegungen seiner Freunde entgegen eilet.
Der