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8 (1798) Vermischte Schriften, Th. 2
Entstehung
Seite
250
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2ZO Aus den Gemälden

Die gemeinen Arten der Schmeichelei), da man etwaein wohlausgcsuchtes Kleid, und ein aufgeräumtes Ge-sicht in Gesellschaft mitbringt, sind schon lange unterdem Namen von schuldigen Höflichkeiten bekannt gewesen;wir würden also eben nicht die beste Aufmerksamkeit fürunsre Gesellschaft tragen, wenn wir sie damit unterhal-ten wollten.

Allein die hohem Arten derselben sind so zart, daßman Mühe haben würde, ihr Wesen mit den feinstenZügen vollkommen zu entwerfen. Cs geht uns hier wieden Liebhabern, die in einem Augenblick mehr empfinden,als die ehemals glückliche Senden) Zeit ihres Lebens be-schreiben können.

Wir wissen zwar wohl, daß die vernünftige Schmei-chelei) eine solche einnehmende Gefälligkeit ist, die unsreSelbstliebe im höchsten Grad befriedigt, und die edelsteErkenntlichkeit in uns erweckt. Allein dieses heißet von deminnern Werthe derselben noch nichts gesagt. Das besteist, daß wir uns einer philosophischen List bedienen, undvon den Erfahrungen anfangen, am Ende aber das dar-auf zu errichtende Gebäude schuldig bleiben.

Wir finden, daß nichts schmeichelhafter sey, alseine kluge Einfalt. Unsre Freunde irren oft, bald ausScherz bald aus Ernst, und die schalkhafte Einfalt nimmtihr Besserwissen unter der Gefälligkeit gefangen.

ScherzhaftePerfonen suchen einander oft durch eineplötzliche Nachricht: Der Feind ist geschlagen, zu er-freuen. Ihnen ist dabey nichts schmeichelhafter, als zusehen, daß die Neugier sich schon um die Umstände derNiederlage bekümmert. Die Vorsorge vor das Vergnü-gen solcher Personen verbindet uns demnach, ein wenigeinfaltig zu seyn. Große Herrn, die ihre Bedienten nie-mals