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8 (1798) Vermischte Schriften, Th. 2
Entstehung
Seite
249
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von den Sitten unsrer Zeit. 245,

schildern gesucht. Wir haben allemal die schmeichelhaf-ten Züge den widrigen beygefüget, damit er sich anjenen erkennen, und diefe hernach bessern möge. Esmochte zwar Jemand einwenden, man habe nicht nothig,die Laster liebenswürdig zu malen; sie hatten ohnehinLiebhaber genug. Allein mit offenbaren Lastern habenwir nichts zu thun. Diejenigen Personen, deren Bildwir zum Vorwarf gehabt haben, sind entweder manier-liche Thoren, oder ehrliche Leute gewesen, die sich ausMangel von Einsicht, aus Gewohnheit und Leidenschaf-ten selbst bekriegen. Solche Personen verdienen allengewinnenden Gegengang *), den man nur erdenken kann.Andre haben ihre Thoren ganz unkenntlich gemacht, unddadurch die Frucht ihrer schönsten Arbeit verloren.V r u y e r e hat seinen Zerstreuten so geschildert, daßman ihm die Ader einige mal ofnen lassen sollte, anstattihm Lehren zu geben. Die mehrstcn Lustspielcr machensolche Thoren lacherlich, die man nur im Tollhause fin-det. Wozu nützet aber eine Abbildung, worin der Thorsich nicht wieder antreffen wird? Solche Sittcnlehrergleichen den Karikaturmalcrn, welche einen Zwerg wieeinen ungeheuren Riesen malen.

Zweytes Stück.

Äie feine und vernünftige Schmeichelei) gleicht der wohl-angebrachten Rothe eines schonen Gesichts. Ohne die-selbe scheinen die andern Tugenden nur ein Msscs An-sehn zu haben.

Q 5 Die

*) Entgegenkommen/