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8 (1798) Vermischte Schriften, Th. 2
Entstehung
Seite
211
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Briefe an Herrn Kanonikus Gleim. 21 r

weil ich ersteres nicht gesehen. Wenn ich ihn aber mitsich selbst vergleiche, so ist er in dem einen Stuck genauwie in dem andern, folglich kein Genie, sondern ein sorg-faltiger ausgekernter Copist. Er ist zugleich der Ver-fasser einiger Stücke, die keinen sonderlichen Beyfall ge-funden.

Seit einigen Abenden wird aus der Bühne in Co-ventgardcn Artaxerxes, eine Oper aus dem Metastasioübersetzt, mit großem Beyfall aufgeführt. Es gefalltmir aber nicht recht, daß Schauspieler sich mit Opernabgeben. Der König und die königliche Familie erschei-nen daselbst alle Donnerstage, und seine Taxe ist jedes-mal 20 Pfund. Hier habe ich zuerst gelernt, wie uner-träglich es sey, wenn in der Oper statt des Recitativsbloß gesprochen wird. Der Abfall ist abscheulich, undwenn ich zu richten hatte: so sollten bloß pantomimischeHandlungen die Zwischenraumc ausfüllen. > Das istalles, was ich Ihnen von der hiesigen Bühne meldenkann. Sie werden vielleicht aus der Hauptstadt Curo-pcns etwas bcssers erwartet haben. Allein es ist in derThat nicht anders. Harlekin in London ist wie Harlekinin Deutschland, und meine Erwartung, welche auch wohlzu groß war, ist bey der Bühne in keinem Stück befrie-digt worden. Vielleicht gehe ich ein ander Mal die neuenLust - und Nachspiele sclbst durch. Vorlaufig aber kannich wohl sagen, daß Shakespcar hier noch keinen Voltairegefunden und daß ich noch keine O'efnungen für ein neuestheatralisches Genie entdecket habe.

Herrn Klopstock bitte ich, nebst meiner zärtlichstenEmpfehlung, zu sagen, daß sein Messias hier auch einenAebersetzer gefunden. Wie man mir sagt: so soll derMann das Deutsche nicht verstehen, sondern sich den Tcpterst durch einen andern ins Franzosische übertragen las-

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