2 1 o Briefe an Herrn Kanonikus Gleim.
Forderung nach aber, sollten im Trauerspiele alle Perso-nen von einer ausnehmenden Lcibcsgroße seyn; und ihreZollmaaßc so gut als ein Grenadier haben, um den Co-thurn zu ersetzen. Die Europäische Kleidcrmodc, wennich die spanische ausnehme, ist dabey den theatralischenKönigen nicht günstig, und mau erkennt in einem solchenKleide immer den kleinen Actor. Ihre Aetisn ist mehrpomphaft als stark; und man scheint die stille Große inder Stellung, welche die Herzen der Menge zu einer ehr-furchtsvollen Aufmerksamkeit lenket, gar nicht zu ken-nen. Daher arbeiten die Prinzen und Prinzessinnen be-ständig mit ihren Handen, wie die Candidatcn auf derCanzcl, deklamircn und scandiren dabey, daß einem dieOhren weh thun. Kommt dann ein großer Affekt, einAffekt des Zorns oder der Verzweiflung, so folgt ihm derActor mit der größten Hitze; aber immer so, daß er denZissprit äe In kbene ausdrückt, und den bilprit Inxiecs dabey vergißt. Der Ausdruck ist schon, aberkemeswegcs nach dem allgemeinen Ton des Stücks er-höhet oder vertiefet. Wenn Gott der Vater in einerRolle hier zürnen sollte, nicht anders als mit Donnernund Blitzen wurde er hier vorgestellet werden.
Die komischen Vorstellungen sind besser, aber langenicht, so wie ich sie vermuthete. Ihr einziger Vorzugbesteht in einem lebhafter!' und wirksamern Marsche.Ich glaube nicht, daß irgend eine Nation die Geschichteauf der Bühne besser zusammen drangen wird. IhreSprache ist sehr geschwind. Außerdem aber sind sie wieandere Lente. Einer derGvrnchmstcn Actors, welchersehr gerühmt wird, und ihr Roscius und Baron gewe-sen seyn soll, Namens G a r r i ck, ist itzt verreiset. Erhat aber seineCopey in einem mit Namen Foot hinter-lassen. Mit dem Original kann ich ihn nicht vergleichen,
weil