Briefe an Herrn Kanonikus Gleiin» 20-,
Privatburgcr, lim sich Anhang zu erwerben, Schauspieleumsonst gegeben und sich darin einander zu übertreffenbemühet hätten. Die Oper, worin itzt die alte MingottiohncZahnc prima sicmnu ist, rechne ich nicht mit. Ueber-Haupt hat die Anlage beider Buhnen nichts Vorzügli-ches. Sie sind fast klein, und gar nicht prachtig. Wennalle Platze besetzt sind, kann jede des Abends 5 bis 600Pfund eintragen. Im Durchschnitte bringet jede, denkeich, wöchentlich 12000 Thaler ans, und ein guter Ac-tör bekommt von dem Principal 600 Pfund Sterl. desJahrs.
Den Geschmack des großen Haufens kann ichnicht bester ausdrücken, als wenn ich sage, daß er fürdie Ikez^ars operu *) sey. Dieses Stück, welches anslauter schönen Lumpen zusammen geflickt ist, worüberman wechselsweise lachen und weinen kann, wird nochimmer mit dem größten Beyfall gespickt. Die darinvorkommenden Arien, welche auf alte erborgte Melodieen,z. V- auf die französischen Lottillons und lks printemsrappells aux arme8 gesetzt sind, erwecken noch immerVergnügen, und müssen bisweilen dreymal gesungenwerden. So' lange ich hier bin, habe ich noch nicht ge-sehen, daß ein einziges regelmäßiges Stück aufgeführtworden. Der Cothnrn und der Sockus laufen beständigdurch einander. Ein Nachspiel, worin die Wahl einesLord Mayor vorgestellt wird , ist so platt wie es seynkann, und wird doch mit dem größten Beyfall aufge-nommen.
Mit ihrer tragischen Mion bin ich gar nicht zu-frieden. Die Prinzessinnen sind hübsche drollige Mad-gen, und die Prinzen aus dem dritten Gliede. Meiner
Forde--
*) Von Gay.
MölerS tierm. Schriften. 2.^d. O