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8 (1798) Vermischte Schriften, Th. 2
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202
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202 Briefe an Herrn Kanonikus Gleim,

zehn Jahren an unseligen Prozessen mürbe und hypo-chondrisch geschrieben, so ist diese jugendliche Hitze ver-schwunden: obschon ich mir eben itzt, da ich die schwe-restey Jahre überstanden, einige Muße wieder verschaf-fet habe.

Sie müssen Sich aber durch den hieöevgehcndenSubscriptionsplan keine gar zu große Vorstellung vondem Herrn Reinbott von Dorcn machen. Ersieht mit den Schwäbischen Minnesingern ungefähr indem Verhältniß, worin Gottsched und Haller stehen.Des Reinbott Heldengedicht auf den Ritter Georg ist einegereimte Legende, statt daß die Minnesinger eine Art derVollkommenheit und Reife erreicht haben, welche nochitzt von den großen Kennern bewundert werden, muß.

Was ich von den Minnesingern in Manuscript be-sitze, sind vier Bogen auf Pcrgamen in Quart geschrie-ben; und Ucberbleibscl einer großen Sammlung, welcheverloren gegangen. Der Graf Tcssin fand zu Stockholmin dem konigl. Pfcrdestallc die vortrcstichen Gemälde wie-der, welche seine Landsleute ehemals in Deutschland er-beutet hatten. Auf gleiche Art habe ich die wenigen scho-nen Lieder wieder angetroffen welche ich besitze; nur mitdem Unterschiede, daß jene zu Vorhangen, diese aber zuUmschlagen um einige Pachtrechnnngen aus dem 16tenJahrhundert mißbrauchet waren. Es ist würklich einSchimpf für uns Deutsche, daß nicht diese sämmtlichenUeberbleibsel der wahren unverfälschten und gleichwohlzierlichen alten deutschen Sprache, auf eine anständigeund prachtige Art im Druck erscheinen. Sie verdientenes besser als Picards und Coypels Figuren zum Donsiluichote. In England that sich einmal eine Gesellschaftzusammen, welche alle würdigen Werke, wozu sich keineVerleget finden wollten, auf ihre Kosten drucken zu las-sen,