194 Briefwechsel mit Friedrich Nicolai«
Osnabrück, den 2z. May >787.
liebster Freund! Wenn ich keine Minute von Ihrer an-genehmen Gesellschaft zu Pyrmont verlieren soll *): somüssen Sie den zo. Jun. Abends um 10 Uhr bey derttiittclsien Treppe vor dem Nicmcycrschcn Hause seyn;und dann fliege ich in Ihre Arme. Da ich weder denBrunnen zu trinken, noch das Bad zu gebrauchen denke zsondern bloß daraus ausgehe gute Freunde zu sehen:so konneu Sie sicher darauf rechnen, daß ich ganz fürSie da seyn werde. Mit meiner Gesundheit hat es sichdieses Jahr mächtig geändert, und ich denke in meinemHundertsien Jahre noch ein Buch darüber zu schreiben,daß die Krämpfe wohlthätige Bemühungen der Natursind, um eine Stockung in den Nerven zu heben, daßman ihre Reizbarkeit und Empfindlichkeit weder durchkalte Bäder unterdrücken, noch durch Klystiere von ihrerArbeit abziehen müsse, und daß Schlaflosigkeit undSchmerzen die natürlichen Begleiter jener großen Opera-tion sind, die mau ausdaucrn muß, um völlig zu genesen.Dabey werde ich eine Hypothese auskramen, die eineganze Revolution in der Medizin veranlassen soll, unddie darin besteht, daß eben eine solche Bewegung, wieder motus psristulticus in den Eingeweiden ist, in demganzen Nervensystem herrsche, gegen jede Stockung indemselben mit immer stärkern Kräften angehe, den ver-stockten
"I Ach pflegte seit 1785 meinem Freunde jahrlich bey Zeltenzu melden, zu welcher Zeit ich nach Pyrmont kommenkonnte, und zu fragen, ob und wann er käme, um mich soeinzurichten, daß ich so wenig als möglich von seinemUmgänge verlöre. N.