Briefwechsel mit Friedrich Nicolai. 18?
meine völlige Gesundheit wieder zu erhalten hoffe. AberIhr Rath den Sie mir einst gaben, die Theile des Un-terleibes alle Morgen kalt zu waschen, taugt den T...nicht. Ich hatte dieses, zu der Zeit, wie Sie mir denRath ertheilten, bereits zwölf Jahr gethan, und michdem Anschein nach frisch und munter dabey befunden.Denn ich schrieb ihm die schöne Erfrischung, und wasich neben her fühlte, andern Umstanden zu. Allein zu-letzt setzte ich ein Mißtrauen in das Kaltbaden, unterließes, und habe nun drey Jahre zugebracht, um die Ver-engung und Versteifung der Gefäße des Unterleibes, wel-che das kalte Baden mit der Zeit gewirkt hatte, wiederumzu heben. Dabey könnte ich Ihnen jetzt unzahlige Bey-spiele, von solchen, die kalt gebadet und sich dadurch umihre Gesundheit gebracht haben, anführen, wenn es zuIhrer Ueberzeugung nöthig seyn sollte. Selbst deruebst zweyen seiner Brüder sind dadurch unglücklich ge-mach: worden, da die andern Kinder, welche nicht kaltgebadet haben, so munter sind wie die Lerchen. Ichschreibe dieses, um Sie Selbst davor zu warnen, wennSie Sich auch dieser heroischen Kurart bedient haben,und unbehaglich befinden. Es ist wahrlich eine Anglo-manie, wenn wir deutschen Kartoffclfreffer den Fleisch-fressenden und mit starken Getränken genährten Englän-dern hierin nachahmen; und selbst dem Englander, dersich den Kopf alle Morgen badet, bleibt der kleinsteSchnupfen auf der Brust haften, weil er nicht über denKopf zur Nase kommen kann, indem die Haut auf demKopfe durch das kalte Wasser zu sehr abgehärtet ist. —-Doch es ist Niemand geschwatziger, als ein Rekonva-lescent. —
Leben Sie wohl, liebster Freund, und lassen Siemich wissen, daß Sie Sich wohl befinden.
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