Druckschrift 
8 (1798) Vermischte Schriften, Th. 2
Entstehung
Seite
169
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Briefwechsel mit Friedrich Nicolai. 169

als alle unsere Genies gefallen haben. So ein PaarMänner nmgre ich hier haben, und ich wollte gern aufalle übrigen Verzicht thun.

Ist der Herr Nicolay *), dessen Gedichte Sie mirüberschickt haben, ein Verwandter von Ihnen? SeineSachen haben mir überaus wohl gefallen. Man siehtdoch endlich einmal wieder wahre schone Empfindungen,und einen gesunden dichterischen Ausdruck. Eine ganzeWeile habe ich mich sonst über meinen eigenen Geschmackgeärgert, der dasjenige nicht schon finden wollte, wasjedermann doch so laut lobte. Ich fing an zu reimen, alsGünther unser Held war, und glaubte ich wäre in derWiege verdorben. Aber die Gedichte des Herrn Nicolayhaben mich wieder beruhigt.

Meister Seuberlich wird sich nun auch wohl em-pfehlen, wenn er nicht noch einige erhebliche Entdeckun-gen macht. Aber können Sie alt werden, ohne zu schrei-ben? Mich dünkt, das Schreiben ist eine Krankheit, diemit den Jahren zunimmt, und nicht eher nachläßt alsbis man stirbt. Es geht damit wie mit den Weibern >-im Alter hat man sie am nöthigsten, und oft noch amliebsten, wenn einen Alles verläßt und ein gutes Weihunsre Plagen theilt. Die Mcinige bringt mir einsvom Besten, und will nun auch, daß ich nicht mehrschreiben soll. Also leben Sie wohl!

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