Druckschrift 
8 (1798) Vermischte Schriften, Th. 2
Entstehung
Seite
115
Einzelbild herunterladen
 

Ueber den Leibeigenthum. i, 5

Staaten finden, worin Äe Menschen vom Ackerbauleben? Muß man hier nickt eine sehr große Ursache an-nehmen? Und sollte diese nicht in einem der nothwendig-sten Bedürfnisse zu suchen seyn? so mogtc der geneigteLeser wohl nicht so schnell in seinem Urtheile seyn. Demsey nun aber wie ihm wolle, ein wenig Paradopie geHortmit zum Kunsihandel, und ich habe immer mehr Respektfür den Gang gehabt/ welchen die Naturmenschen nachihren Bedürfnissen genommen haben, als für die hoheBahn, worauf unsre sogenannten Philosophen über dieGränzen der Menschheit hiuausschweifem Wenn ichdaher auf eine alte Sitte oder alte Gewohnheit stoße, diesich mit den Schlüssen der Neuern durchaus nicht reimenwill, so gehe ich mit dem Gedanken: die Alten sind dochauch keine Narren gewesen, so lange darum her, bis icheine vernünftige Ursache davon finde, und gebe dann(jedoch nicht immer,) den Neuern allen Spott zurück,womit sie das Alterthum, und diejenigen, welche aitdessen Vorurtheilen kleben, oft ohne alle Kenntnisse zudemüthigen gesuchet haben. Ich wünsche dann, daß dieVerfasser der itzigen Ritkerrdmane nicht bloß die Spracheder alten Welt borgen, sondern auch in den Geist ihrerSitten und Gewohnheiten eindringen, und das Verhält-niß derselben zu dem Bedürfnisse der Zeit, als woraufes bey aller Gesetzgebung zuerst ankommt, den Nachkom-men zur Lehre und Erbauung vorlegen mogtcn. Alleindas Studium der leblosen Antiken hat seinen Heyne,der lebendigen in Deutschland noch keinem

Eine der ersten und eigentlichsten Bedingungen desLeideigenthums bestehet darin, daß der Knecht alles waser erwirbt, seinem Herrn erwerbe; und der ganze Zweck,welchen die Menschen durch den Leibeigenthum Zu errei-chen gesucht haben/ beschränkt sich säst einzig und allein

H ^ hierauf;