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Ueber Theorie und Praxis»
Jeder Erfahrne legt unstreitig eine Theorie zumGrunde. Aber der Empiriker hat das im Griffe, womitsich der Theoretiker im Kopfe quält. Es geht jenen wiedem General Lnckner, der im siebenjährigen Kriegeeinmal dem Herzog Ferdinand antwortete: er verstehewohl den Feind zu schlagen, nicht aber einen Plan dazuzumachen. Kommen, sehen und siegen, ist der Wahl-spruch des Empirikers; und das Ucberdenken wie dasmöglich gewesen, beschäftigt den Theoretiker. Jenergönnet es dem Letzteren, ihm in seinem Fluge zu fol-gen, und die Consequenz der einen That aus der andernzu berechnen.
Es macht mir immer ein großes Vergnügen zu se-hen und zu untersuchen, wohin der gesunde Menschen-verstand und wohin die Theorie die Menschen geführethat; und wenn ich dann z. B. die Wahrheit dessen, wasPauw sagt: ikws Lnrbnros veulent toujourz nnbestätiget finde: so kommen mir die aufgeklärte-sten Republiken noch einmal so unruhig vor als vorher,und ich gerathc leicht auf den Schluß: daß ein Dorf sichbesser bey einem gemeinschaftlichen Boten siehe, alswenn jeder Eingesessene entweder selbst gehen, oder sei-nen besondern Boten schicken wollte.
In keinem Falle ist mir aber der Gang der prakti-schen Vernunft mehr aufgefallen, als bey dem sogenann-ten Leibeigenthum, dessen Wurzeln sich über den ganzenErdboden, so weit er beackert wird, verbreiten, wenngleich die davon ausgesprossenen Stauden nach und nachziemlich beschnitten, und in manchen Landern ganz ab-gehauen sind. Ich kann mich dann nicht enthalten, die
Ent-