Druckschrift 
8 (1798) Vermischte Schriften, Th. 2
Entstehung
Seite
94
Einzelbild herunterladen
 

94

Ueber Theorie und Praxis.

und sich wie Maschinen bloß nach den Gesetzen der Me-chanik behandeln lassen: und

in dem zwölften war endlich die Herzoginn FrauMutter eine so vortreffliche Frau: sie war Jeden: sofreundlich begegnet; sie hatte so vielen Menschen wohlgethan, und war mit einem Worte so beliebt, daß manihr sogar ihren annoch unmündigen Sohn vom Sehooßehöhlte, und ihm den herzoglichen Hut aufsetzte, mit dereifrigsten Bitte: das Land so lange für ihren Sohn zuregieren, bis dieser selbst dazu in: Stande seyn würde.

Bisher haben Grotius und andre große Philo-sophen zuerst Ersahrungen gesammelt, und nach densel-ben ihre Theorie erweitert. Die neuen Theoretiker hin-gegen ziehen sich immer mehr von gegebenen Fallen zu-rück: und die Folge davon ist, daß Jene in der wirkli-chen Welt brauchbarer sind, als diese, welche über Rechtund Unrecht, ohne Einmischung irgend einer That,lehren.

Kein vernünftiger Empiriker wird aber um deswil-len die Bemühungen dieser Letztern verachten. Vielmehrwird er der Welt und jedem Lande Einen großen Theo-retiker wünschen, der ihm in jedem Fache das große idea-lische Fanal ausstelle, wornach der Empiriker, er steuregeradezu oder lavirc, beständig seine Augen richten muß»Aber wenn nun der Theoretiker ohne Erfahrung ihm denWeg mit dem Finger vorzeichnen will, den er im Steu-ern und Laviren halten soll, so zieht er mitleidig dieAchsel. Ein jeder praktischer Staatsmann kennt, wieder Theoretiker, gewisse große Grundsätze: als z. B.daß man den steuerbaren Stand so viel möglich schonen,und den Befrepnngen wehren müsse. Allein, wie und wo

er