, s
78 Ami-Kandide.
Die Dauern hatten anfangs Mitleiden mit ihm als miteinem schwermüthigen und rasenden Menschen. Wieaber der Prediger den Streit über die beste Welt zu sehrverlängerte, und zwey von den Unglücklichen darüberunter dem entsetzlichsten Wehklagen, ohne leiblichen undgeistlichen Trost, ihren Geist aufgaben; riß ihn derSchulze zu den beyden übrigen, und sagte: Herr Pfar-rer, trösten Sie doch diese armen Leute, reichen Sieihnen noch geschwind das heilige Nachtmahl, und lassenSie die guten Menschen ihren Schmerz mit dem Gedan-ken mildern, daß ein allgütiges Wesen sie aus diesemJammerthal zur ewigen Freude ruft. Aus Bcsorgniß,daß die Bauern, welche den schwermüthigen Jünglingbereits einen grausamen Narren schalten, ihm nach den Ge-setzen einer schlimmen Welt Arm und Bein zerschlagen mog-ten, zogPangloß ihngcschwind aus dcrStcingrube; undweil Kandidc noch von dem Streite mit dem Pfarrer ganzerhitzt war, so bewies er seinem Begleiter mit einer Be-redtsamkcit die ihresgleichen nicht hatte, daß nothwen-dig ein böses Wesen die Welt erschaffen haben müsse, unddaß es der abscheulichste Satz wäre, unter einem gerech-ten Gott die Unschuld leiden zu lassen. Pangloß sahwohl, daß ihm diesmal mit philosophischen Gründennicht beyzukommen war; fragte ihn also bloß: ob erdenn glaube, daß die Steinbrecher sanfter gestorben seynwürden, wenn man ihnen zugerufen hatte: Gott rächetitzt eure Bosheit, und schlägt euch mit Felsenstücken zurHolle; oder: der Teufel regiert die Welt und höhlt euchitzt mit Krachen. Allerdings, versetzte Kandide: dieentsetzlichste Wahrheit ist besser als ein lügenhafter Trost.
Einen so hartnäckigen Eigensinn hatte Pangloßnicht vermuthet. Er verließ also dicMaterie, und frcuctesich auf die Pilze, welche er nun bald mit einer Pefer»
silien-