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8 (1798) Vermischte Schriften, Th. 2
Entstehung
Seite
71
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Ami - Kandide.

Auf diese Weise zerfiele aber die Schöpfung in zweyHauptstücke. Einerseits stände die Materie, mit allerFähigkeit unendliche Entwickelungen zu erleiden; undauf der andern Seite freye Mcnschcnseelen, die sich dieseFähigkeit nach ihrem Gefallen zu Nutze machten. DasErste wird der Philosoph zugeben; aber bey dem Letztemwird er erinnern, die Wahl des Menschen sey nicht sofrey als man glaube; er müsse durch einen Grund, die-ser wieder durch einen vorhergehenden, und so jedervorhergehende von Unendlichkeit her zureichend bestimmtseyn; oder es würde aus den in der Seele befindlichenunendlichen Bestimmungen auch die einzige nicht zurWirklichkeit kommen, die doch wirklich zur Wirklich-kcit käme.

Er wird weiter erinnern: die Seele die andershandle, müsse ein Gott seyn; und der all nachtige Gottselbst könne nicht vorher wissen, was der kleine Gottwählen werde. Wisse er dieses nicht, so müsse er immer-fort Schöpfer seyn, und seine Maaßregeln zu dem im-merwährenden Schaffen und Erhalten nach unsern freyenHandlungen nehmen.

Allein, um von dem Lichte anzufangen, so ist wohlgewiß: die Welt bliebe gleich gut, und der großen Ab-sicht des Schöpfers immer entsprechend, es möge dieseoder eine andere Entwickelung wirklich werden. So wienun der Schöpfer hicdurch auf alle mögliche Fälle ge-sorgt hätte, so ist er dadurch auch der Mühe des immer-währenden Schaffens enthoben. Seine Allwissenheitgeht nicht bloß ans die wirkliche Reihe der Begebenheiten,sondern auf alle mögliche, und in diesen sieht er bestän-dig die Welt. Der Freyheit des Menschen sind dabeysolche Schranken gesetzt, daß sie über die möglichen Rei-hen nicht hinausgehn, auch den Hauptplan nicht störenkann.

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